18. Verordnete Mindestlöhne

Henry Hazlitt: Economics in One Lesson

Der Lohn ist der Preis für die Arbeitsleistung. Folglich haben Mindestlöhne die gleichen negativen Auswirkungen, wie das Anheben von Preisen für bevorzugte Güter. Auch hier gilt: „Je ehrgeiziger ein solches Gesetz ist, je mehr Arbeiter es erfassen will und je intensiver es versucht, ihre Löhne anzuheben, desto sicherer übertreffen seine nachteiligen Auswirkungen die möglichen guten Folgen.“

Der Reallohn ergibt sich aus der Produktion, nicht aus staatlichen Verordnungen.

Nur hat man dem Preis für die Arbeitsleistung einen anderen Namen gegeben, als den übrigen Preisen. „Das hat den meisten Menschen den Blick dafür verstellt, dass das gleiche Prinzip für beide gilt.“ Deshalb sprechen sich selbst einige Kritiker der Preiserhöhungen gleichzeitig entschieden für Mindestlöhne aus.

Höhere Arbeitslosigkeit

Wenn der gesetzliche Mindestlohn für 40 Arbeitsstunden pro Woche 240 Dollar beträgt, wird als erstes „überhaupt niemand mehr eingestellt …, der einem Arbeitgeber nicht 240 Dollar pro Woche wert ist. Man kann niemandem einen bestimmten Wert verleihen, indem man es für gesetzwidrig erklärt, ihm weniger anzubieten. Man nimmt ihm lediglich das Recht, das zu verdienen, was er aufgrund seiner Fähigkeiten und der allgemeinen Lage verdienen könnte. … Man tauscht also anstelle eines niedrigen Lohnes Arbeitslosigkeit ein.“

Die einzige Ausnahme tritt dann ein, wenn eine Gruppe Arbeiter einen Mindestlohn erhält, der ohnehin unter ihrem Marktwert liegt. Das tritt aber nur sehr selten ein, etwa wenn die Wettbewerbskräfte nicht frei wirken können.

Höhere Preise, weniger Produktion

Es gibt aber noch weitere Folgen solcher Regulierungen der Löhne: „wenn per Gesetz in einer bestimmten Branche höhere Löhne erzwungen werden, dann können die Unternehmen einen höheren Preis für ihr Produkt verlangen, sodass die Last in Form der höheren Löhne lediglich auf die Verbraucher abgewälzt wird.“ Falls die Verbraucher das verteuerte Produkt dann nach wie vor kaufen, nehmen sie davon weniger. „Während also einige Beschäftigte der Branche unter Umständen von den höheren Löhnen profitieren, werden andere arbeitslos.“

Allerdings können sich die Arbeitgeber den Folgen künstlicher Lohnaufbesserungen oft nicht so einfach entziehen. Solche Abwälzungen sind nicht immer durchführbar. Falls der Produktpreis nicht erhöht werden kann, etwa weil die Verbraucher auf Importartikel oder einen anderen Ersatz ausweichen, „werden die Grenzproduzenten der betreffenden Branche aus dem Markt gedrängt, sodass verringerte Produktion und sich daraus ergebende Arbeitslosigkeit lediglich auf andere Art entstehen.“

Niedrige Löhne sind besser als gar keine Löhne

Oft heißt es: „Wenn die Branche X nur mit Hungerlöhnen bestehen kann, ist es kein Schaden, wenn ihr die Mindestlöhne das Genick brechen.“

Übersehen wird hierbei der Verlust, den die Verbraucher erleiden, wenn es das Produkt nicht mehr gibt. Ausgeklammert wird, dass die ehemaligen Arbeiter in dieser Branche nun zur Arbeitslosigkeit verdammt sind. Vor allem wird nicht  beachtet: So schlecht die Löhne in der Branche auch waren, für die Arbeiter stellten sie immer noch die beste Alternative dar. Wenn die Branche wegbricht müssen sich die Arbeiter nun nach anderen Möglichkeiten umsehen, die für sie bis dahin nicht so attraktiv waren. „Ihre massierte Nachfrage nach Arbeitsplätzen drückt selbst die in den alternativen Betrieben gezahlten Löhne noch weiter.“

Unterstützungsprogramme für Arbeitslose verschlimmern die Situation

Mit Arbeitslosenunterstützungsprogrammen macht der Staat die Situation nicht besser. Ein Beispiel: Der Mindestlohn beträgt 240 Dollar für 40 Wochenstunden (also sechs Dollar pro Stunde), die wöchentliche Arbeitslosenunterstützung hingegen 150 Dollar. „Das bedeutet, wir verbieten die sinnvolle Beschäftigung eines Menschen für, sagen wir, 180 Dollar pro Woche, damit wir ihm 150 Dollar wöchentlich für seine Untätigkeit zahlen können.“ So haben wir die Gesellschaft seiner Dienste beraubt, ihn selbst aber seiner Unabhängigkeit und Selbstachtung. „Und gleichzeitig haben wir geschmälert, was er durch eigene Anstrengung hätte erzielen können.“

Diese Folgen bestehen, solange die wöchentlichen Unterstützungszahlungen unter 240 Dollar liegen. „Doch je höhere wir die Unterstützungszahlung ansetzen, desto schlimmer machen wir die Situation in anderer Hinsicht.“ Beträgt die Arbeitslosenunterstützung nämlich 240 Dollar, so verdient einer mit seiner Arbeit genauso viel, wie ein anderer für das Nichtstun erhält. „Wie hoch auch immer die Arbeitslosenunterstützung ist, wir schaffen eine Situation, in der jeder nur noch für den Unterschied zwischen seinem Lohn und dem Unterstützungsbetrag arbeitet.“

Ersetzt man die „Zuhauseunterstützung“ durch eine „Arbeitsunterstützung“, so ändert man die Art der Folgen. Die Nutznießer erhalten zusätzlich zu ihrem Lohn ein getarntes Almosen. Auch wenn es nicht empfehlenswert ist, „wäre es weniger schädlich, wenn der Staat in erster Linie ganz offen die Löhne der knapp unter der Rentabilitätsschwelle liegenden Arbeiter im Rahmen der Arbeit subventionieren würde, der sie gerade nachgehen. Aber das brächte wieder politische Kopfschmerzen anderer Art mit sich.“

Staatliche Arbeitsbeschaffung ist zwangsläufig unproduktiv und von zweifelhaftem Nutzen

Wenn der Staat Arbeit schaffen will, muss er Projekte erfinden, für die er die Arbeiter mit der schlechtesten Ausbildung einstellen kann. Er kann sie nicht ausbilden, weil sie so den bestehenden Arbeitern Konkurrenz machen und damit den Widerstand der Gewerkschaften provozieren würden. Staatliche Arbeitsbeschaffung ist immer unproduktiv.

Wichtig ist es auf jeden Fall festzuhalten:

Dass der gesetzlich festgesetzte Mindestlohn den Stundenlohn auf dem freien Markt in die Höhe getrieben hat, ist eine Legende. In Wahrheit hat die Legislative nur auf die Erhöhungen des am Markt geltenden Stundenlohns reagiert. Das zeigt etwa das Anwachsen des durchschnittlichen Stundenlohns in der herstellenden Industrie in den USA: Von 1938 bis 1977 stieg er von 63 Cent auf 5,26 Dollar. Im gleichen Zeitraum wurde der Mindestlohn von 25 Cent auf 2,65 US-Dollar angehoben.

Auch die Monopolstellung eines Unternehmens kann Mindestlöhne nicht rechtfertigen

Ein Argument, mit dem zuweilen der Mindestlohn gerechtfertigt wird, lautet: Ein Großunternehmen mit Monopolstellung und ohne Konkurrenz könne Arbeitslöhne anbieten, die unter denen des Marktes liegen. „Das ist eine äußerst unwahrscheinliche Situation.“ Sie ist zunächst empirisch falsch: „Wir wissen aus Erfahrung, dass gerade die Großunternehmen, die am häufigsten beschuldigt werden, Monopolisten zu sein, die höchsten Löhne zahlen und die besten Arbeitsbedingungen bieten. Meistens sind es die kleinen Firmen knapp unterhalb der Rentabilitätsschwelle, die vielleicht unter einem rücksichtslosen Wettbewerb leiden, die die niedrigsten Löhne bieten.“

Ein solcher „Monopolist“ befindet sich in einer anderen Situation: In der Aufbauphase muss er zunächst hohe Löhne bieten, um Arbeitskräfte von anderen Firmen anzulocken. Theoretisch könnte er den Arbeitslohn danach senken und „unter Norm“ zahlen, was aber in der Regel nur geschieht, wenn die Branche oder die Firma krank ist oder schrumpft. „Befände sie sich im Aufschwung, müsste sie weiter hohe Löhne zahlen, um ihren Bestand an Arbeitskräften weiter ausbauen zu können.“

Der beste Weg zur Erhöhung der Löhne ist der, die Grenzproduktivität der Arbeit zu steigern.

„All dies soll nicht heißen, es gäbe keine Möglichkeit, die Löhne zu erhöhen. Es soll nur gezeigt werden, dass der scheinbar einfache Weg, sie durch ein staatliches Machtwort anzuheben, der falsche und schlechteste ist.“ Die eigentliche Frage betrifft nicht, ob wir wollen, dass jeder finanziell so gut wie möglichst dasteht, sondern über welche Mittel wir das erreichen sollen.

Eine ebenso wichtige, wie elementare Wahrheit, muss dabei beachtet werden: „Wir können nur das verteilen, was erzeugt worden ist. Wir können auf lange Sicht für die Arbeit insgesamt nicht mehr bezahlen, als dem entspricht, was sie an Gütern oder Diensten hervorbringt.“

Das bedeutet: „Je mehr der einzelne Arbeiter produziert, desto mehr steigert er den Wohlstand der gesamten Gemeinschaft.“ Dadurch wird er auch wertvoller für den Arbeitgeber, was seinen Lohn erhöht: „Der Reallohn ergibt sich aus der Produktion, nicht aus staatlichen Verordnungen.“

Der beste Weg zu höheren Löhnen ist somit die Steigerung der Grenzproduktivität der Arbeit. Dafür gibt es verschiedene Methoden: vermehrte Kapitalbildung (mehr Maschinen, die den Beschäftigten die Arbeit erleichtern), neue Erfindungen, leistungsfähigeres Management aufseiten der Arbeitgeber, besser Vor- und Ausbildung.

Fazit: „Die Politik des Staates sollte daher nicht darauf abzielen, die Unternehmer mit noch mehr Forderungen zu belasten, sondern Maßnahmen zu ergreifen, die den Gewinn fördern, die die Unternehmer anregen zu expandieren, in neue und bessere Maschinen zu investieren, die Produktivität der Arbeiter zu steigern – also die Kapitalbildung zu ermutigen und nicht zu entmutigen – und so die Zahl der Beschäftigten und die Löhne zu erhöhen.“

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