15. Preisstützen sind teure Krücken

Henry Hazlitt: Economics in One Lesson

Sämtliche Versuche, die Preise für bestimmte Produkte auf Dauer über dem Marktpreis zu halten, sind kläglich und offenkundig gescheitert. Das wissen Interessengruppen natürlich, weshalb sie dieses Anliegen selten offen beim Namen nennen. Sie verkünden stattdessen ein anderes Ziel, das zunächst nach einem gemäßigten, vernünftigen Staatseingriff klingt.

Der Vorwand: Man wolle nur kurzfristig Preisschwankungen abmildern

Selbstverständlich sei es dem Verbraucher gegenüber ungerecht, den Preis für ein Produkt dauerhaft über das normale Niveau anzuheben, erklären sie. „Aber im Moment liegt das betreffende Produkt preislich weit unter seinem normalen Niveau.“ Jetzt müsse der Staat einschreiten, denn bis die Selbstheilungskräfte des Marktes wirkten, seien die Produzenten längst ruiniert. Dann bestünde echte Knappheit und die Verbraucher müssten Wucherpreise zahlen. „Wir wollen nichts weiter, als die hektischen und sinnlosen Preisschwankungen berichtigen. Wir haben keineswegs vor, die Preise hochzutreiben, wir wollen sie lediglich stabilisieren.“

Der Preiszusammenbruch erstreckt sich am Ende über eine katastrophal lange Zeit, die es ohne eine Preisbeschränkung nie gegeben hätte.

Eine der am häufigsten angewandten Methoden zu Erreichung dieses Ziels sind staatliche Darlehen an die Landwirtschaft, damit die Bauern ihre Ernteerträge vom Markt fernhalten können. Folgendes wird den Bürgern dabei erzählt: Zur Erntezeit, wenn die Bauern ihre Ernte auf den Markt bringen, seien die Preise gerade am niedrigsten. Das würden die Spekulanten ausnutzen, die dann alles aufkauften und zu einem späteren Zeitpunkt, wenn die Nahrungsmittel knapper und die Preise höher sind, verkaufen. Deshalb gehe es den Bauern schlecht, obwohl „doch lieber sie als die Spekulanten in den Genuss der höheren Durchschnittspreise kommen sollten.“

Dank der Spekulanten stabilisiert sich der Preis im Jahresdurchschnitt

„Diese Behauptung wird weder durch eine Theorie noch durch die Erfahrung gedeckt.“ Die Spekulanten sind überhaupt nicht die Feinde der Bauern, sondern ihre Wohltäter. Je besser die Spekulanten die künftigen Preise voraussehen, desto vorteilhafter ist das für die Bauern und desto gemäßigter sind die Preisschwankungen. Selbst wenn die Bauern daher tatsächlich etwa ihre Weizenernte in einem einzigen Monat auf den Markt werfen müssten, würde das den Preis nicht notwendigerweise unter den der anderen Monate fallen lassen. Die Spekulanten würden die Weizenernte solange kaufen, bis der Preis so hoch würde, dass sie keinen künftigen Gewinn mehr erwarten würden, und sie würden verkaufen, wenn sie einen künftigen Verlust erwarten würden. „Die Folge wäre, dass sich der Preis für landwirtschaftliche Erzeugnisse im Jahresdurchschnitt stabilisierte. Gerade weil es professionelle Spekulanten gibt, die diese Risiken auf sich nehmen, müssen die Bauern und Müller sie nicht tragen. Die Erzeuger landwirtschaftlicher Produkte können sich durch die Märkte schützen.“

Der Preis für Weizen und andere nicht verderbliche Landwirtschaftsgüter bleibt das ganze Jahr über im Durchschnitt unverändert („wenn man von Lagerkosten, Zinsen und Versicherungsgebühren einmal absieht“). Der durchschnittliche monatliche Preisanstieg nach der Ernte reicht tatsächlich nicht ganz aus, die Lagerkosten zu decken. Damit haben die Spekulationen – entgegen ihrer eigenen Absicht – die Bauern letztlich sogar subventioniert, weil ihre Einschätzungen zu optimistisch waren.

Die staatliche Preiserhöhung verringert die Produktion und stabilisiert die Preise dauerhaft nicht

Falls nun aber der Staat selber den Bauern die Ernte abkauft oder ihnen Geld leiht, damit sie ihre Erzeugnisse vom Markt fernhalten, liegt die Sache anders. Manchmal wird das damit gerechtfertigt, man würde auf diese Weise einen „für normale Fälle ausreichenden Getreidevorrat“ halten. Doch diese Funktion nehmen bereits die privat organisierten Märkte wahr. „Sobald sich der Staat einschaltet, wird der für normale Fälle ausreichende Getreidevorrat zu einem Politikum. Die Bauern werden mit dem Geld der Steuerzahler ermuntert, ihre Erzeugnisse weitestgehend zurückzuhalten.“

Um sich die Stimmen der Bauern zu sichern, heben Politiker und Bürokraten den „fairen“ Preis für Landwirtschaftsprodukte über den Marktpreis. Die Folge ist ein Rückgang an Käufern. Die „für normale Fälle“ ausreichenden Getreidevorräte werden daher oft zu Vorräten für „abnormale Fälle“, um einen vorübergehend höheren Preis zu erzielen. Doch wird der Preis dann später umso mehr sinken. „Denn die künstliche Verknappung, die in diesem Jahr durch das Zurückhalten eines Teils der Ernte vom Markt hervorgerufen wurde, bedeutet einen künstlichen Überschuss im nächsten Jahr.“

Die Darlehenspolitik hat fast immer vorrangig die Interessen der Produzenten im Blick. Um die Preise anzuheben wird jedem Produzenten eine Produktionsbeschränkung auferlegt. Geschieht dies international, zieht das eine weltweite Einschränkung der Produktion nach sich. „Die Verbraucher der Erde können von dem Produkt nicht mehr so viel erwerben, wie ohne die Beschränkung möglich gewesen wäre. Die Welt ist um eben so viel ärmer. Weil die Verbraucher gezwungen sind, für das Produkt höhere Preise als sonst zu zahlen, können sie weniger für andere Erzeugnisse ausgeben.“

Verknappung durch den freien Markt senkt langfristig die Produktionskosten, staatlich verordnete Verknappung erhöht sie

Befürworter solcher Maßnahmen erklären für gewöhnlich, dass es auch unter marktwirtschaftlichen Bedingungen zu einem Produktionsrückgang gekommen wäre. Doch hier besteht ein grundlegender Unterschied. „In einer Marktwirtschaft mit Wettbewerb scheiden die Produzenten, die hohe Kosten haben, die unrentabel wirtschaften, aus, wenn die Preise sinken.“

Das kommt den rentabel wirtschaftenden Produzenten zugute: Preisrückgang aufgrund erhöhten Angebots führt zum „Ausscheiden der am Rand der Wirtschaftlichkeit und auf unrentablem Boden produzierenden Bauern“. Das wiederum ermöglicht „den überlegenen Bauern, ihren Anbau zu erweitern. Langfristig kommt es so unter Umständen überhaupt nicht zu einer verringerten Produktion des Gutes. Und es wird dann zu einem ständig niedrigeren Preis hergestellt und verkauft. Falls dies das Ergebnis ist, werden die Verbraucher ebenso gut wie vorher mit diesem Erzeugnis versorgt. Aber als Folge des gesunkenen Preises haben sie mehr Geld übrig als vorher, das sie für andere Dinge ausgeben können.“ Wenn die Verbraucher mehr Geld ausgeben, steigt die Beschäftigung in anderen Branchen, die dann auch die unwirtschaftlich produzierenden Bauern aufnehmen können.

Eine durch den Staat verordnete einheitliche proportionale Beschränkung hingegen hindert die zu einem niedrigen Preis arbeitenden Produzenten, so viel herzustellen, wie technisch möglich ist, und hält gleichzeitig die mit hohen Kosten wirtschaftenden Produzenten künstlich im Geschäft. Das erhöht die durchschnittlichen Produktionskosten. Die unrentabel wirtschaftenden Betriebe binden weiterhin Boden, Arbeitskräfte und Kapital.

Somit sticht auch nicht das Argument, die restriktive Politik habe Kaufkraft der Bauern erhöht, denn im selben Umfang wurde sie den Stadtbewohnern entzogen. Wenn man den Bauern Geld gibt zur Drosselung der Produktion, so läuft das auf dasselbe hinaus, wie wenn man die Steuerzahler zwingt, andere Menschen fürs Nichtstun zu bezahlen. Gleichzeitig wird aufgrund dieser Förderung insgesamt weniger produziert. „Weil für alle weniger da ist und weil es weniger zu tun gibt, müssen die Reallöhne und-einkommen entweder infolge sinkender Geldbeträge oder steigender Lebenshaltungskosten abnehmen.“

Die Erhöhung der Preise bringt mehr Instabilität, als sie die freien Kräfte des Marktes je hervorrufen hätten können

„Aber wenn der Versuch gemacht wird, den Preis eines landwirtschaftlichen Produktes hoch zu halten, und keine künstlichen Produktionsbeschränkungen bestehen, sammeln sich solange unverkaufte Überschüsse des zu teuren Artikels an, bis der Markt für dieses Produkt schließlich in einem weit größeren Umfang zusammenbricht, als wenn das Programm zur Bewirtschaftung nie in Kraft getreten wäre.“ Oder Produzenten, die von den Restriktionen nicht betroffen sind oder vom Preisanstieg angelockt werden, erweitern ihre eigene Produktion ganz erheblich. „Das passierte den Programmen zur Produktionsbeschränkung von Gummi in England und von Baumwolle in den Vereinigten Staaten.“

Die Pläne für internationale Warenbewirtschaftung sterben nicht aus. Immer wieder wird erklärt, dieses Mal werde alles anders, man werde die alten Fehler nicht wiederholen. So heißt es etwa: „Diesmal wird man Preise festsetzen, die Produzenten und Verbrauchern gegenüber gleichermaßen ‚fair‘ sind.“ Am Ende kommen freilich nicht die Bürger auf ihre Kosten, sondern nur jene Bürokraten, die von der Regelung solcher Angelegenheiten leben.

Die hier gebotene, exklusiv für die AUSTRIAN ESSENTIALS erstellte Kurzfassung von „Die 24 wichtigsten Regeln der Wirtschaft“ erscheint mit Erlaubnis des FinanzBuch Verlags, bei dem auch die deutsche Fassung der 1978 erschienenen aktualisierten Neuauflage des Klassikers erhältlich ist.

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