Rassenbuchhaltung und Verfestigung von Gruppenrechten in den USA – keine liberale Lösung

Stellen Sie sich vor: Für die nächsten Wahlen müssen sie sich einschreiben als Bürger türkischen Ursprungs, als Alemannin, als tschechisch- oder polnischstämmig, als Bajuware/Südbajuware, oder „afrikanischer Abstammung“. Eine solche Vorschrift brächte in Europa die Wähler nicht an die Urnen, sondern auf die Barrikaden, zu Recht. In den USA hingegen sind solche Einträge nach „Rasse“ üblich, in einigen Staaten sogar vorgeschrieben.

Eine regelrechte „Rassenbuchhaltung“

Die Formulare sind im Internet vorhanden und stehen zum Herunterladen bereit. Für den Bürgerrechts-Ausweis (Certificate of Citizenship) muss man auswählen aus den „races“: White, Asian, Black or African American, American Indian or Alaska Native, Native Hawaiian or Other Pacific Islander, sowie auch die „Ethnicity“, nämlich „Hispanic or Latino“, „Not Hispanic or Latino“.

Auf den Wahllisten verlangen manche Staaten ebenfalls solche Angaben, wobei dort auch „multi-racial“ erlaubt ist. Bei der Geburt aber soll die Mutter zuerst mal ankreuzen, ob sie keine Hispanic ist, und wenn ja, ob aus Kuba, Mexiko, Puerto Rico. In zweiter Kolonne soll sie „mothers race“ angeben und dabei aus 15 Möglichkeiten auswählen. Ebenso der Vater. Und warum der Aufwand? In Krankenhäusern will man es „ausschließlich aus medizinischen Gründen“ wissen. Wirkt also das Aspirin je nach 15 Rassen anders, oder liegt vielleicht das Herz nicht auf demselben Fleck?

Die vielen Sozial- und Hilfsprogramme sehen nicht nur auf die Bedürftigkeit, sondern auch auf die ethnische Zugehörigkeit. Sie schaffen Gruppenrechte.

Die absurde Fragerei, eine eigentliche Rassenbuchhaltung, rührt nun aber nicht von eingefleischtem behördlichem Rassismus her, im Gegenteil, sie verdankt sich hochherzigem Bemühen. Denn in den USA laufen Dutzende nationaler und noch mehr einzelstaatlicher Sozialprogramme, die oft auf förderungswürdige Minderheiten abzielen. Das Formular zur Beschäftigung im Bundesdienst erklärt es. Erstens verlangen die Verordnungen des Budget-Ministeriums von 1997 diese Einstufungen, zweitens weil dies „notwendig ist, um für gleiche Beschäftigungschancen im gesamten Bundesbereich zu sorgen“. Außerdem wird die Selbsteinstufung als freiwillig dargestellt, fehlt sie aber, dann wird die arbeitgebende Abteilung „race and ethnicity“ durch „optische Beurteilung festlegen“[1]. Widerstand ist zwecklos, scheint es.

Schaffung von Gruppenrechten: eine falsche Gleichstellungspolitik

Damit aber ist ein ganzer Salat angerichtet. Die vielen Sozial- und Hilfsprogramme sehen nicht nur auf die Bedürftigkeit, sondern auch auf die ethnische Zugehörigkeit. Sie schaffen Gruppenrechte. Dieses Vorgehen ist dreifach falsch, ja empörend, denn einmal sollen republikanische Verhältnisse keine solchen Unterschiede zwischen den Bürgern festhalten und sie damit begünstigen; zweitens verfestigen diese Einteilungen die Rassenunterschiede auf immer; und drittens sind Sozialpolitiken für Wohnungen, Stipendien, Einkommenszuschüsse etc. auf die materielle Bedürftigkeit aller auszurichten. Sonst kann es vorkommen, dass Angehörige einer Gruppe in gleicher Lage mehr bekommen als andere. Das fördert den Frieden zwischen den Gruppen keineswegs, sondern, eben, es verfestigt das Gruppendenken und damit Vorurteile, Nährboden für Rassismus und ähnliches. Die übereifrige Sozialpolitik, das Gutgemeinte, schafft also in den USA das Schlechte.

Die Republik ist farbenblind. Die Republik kennt keine Gruppenrechte. Die Republik hilft wegen Bedürftigkeit, und zwar allen gleich Bedürftigen in gleichem Maße.

Wie problematisch die „Rassenbuchhaltung“ der Behörden wird, veranschaulicht das oben genannte Formular der Bundesbehörden zur Einstellung ihrer Angestellten. Zum einen macht es Unterschiede zwischen den Natives, nämlich zwischen „American Indians“ und „Alaska Natives“, „Hawaiians“ und „Other Pacific Islander“. Das ist nun eine wirklich sehr, sehr seltsame Konsequenz einer Gleichstellungspolitik. Da diese Ureinwohnergruppen oft schon stark in der zugewanderten Bevölkerung aufgegangen sind, muss jemand, der sich darauf beruft, „die Stammeszugehörigkeit aufrechterhalten“. Drastischer könnte man die ewige Verfestigung der Spaltung der USA nicht bezwecken. Sodann müssen „Blacks“ aus „black racial groups of Africa“ stammen. Doch seit zweitausend Jahren mischten sich Inder, Libanesen, Griechen, dann Portugiesen, Franzosen in Afrika ein – sollen jetzt per DNA-Analyse die Prozentanteile belegt werden?

Tatsächlich lassen sich diese reinen Kategorien in der Lebenswirklichkeit nicht aufrecht halten. So hatte sich Barack Obama, Sohn einer weißen Mutter, frühzeitig als Schwarzer im Bürgerregister eingetragen und erschuf sich so sein Lebensglück als erster schwarzer Präsident. An manchen Universitäten kommt es offenbar zu Gruppenstau, weil die hier und dort wahllos eingeräumten Zugangsanteile für Minderheiten, sowie die herein drängenden fleißigen Asiaten, den „Weißen“ nun weniger Platz lassen als ihr Bevölkerungsanteil ist, also neue Diskriminierungen einführen.

Absurditäten der „Identity-Politics“ – doch eine liberale Republik sollte farbenblind sein

Sodann behauptete die längst zur linken Demagogin gewandelte Senatorin Elisabeth Warren, sie sei eine „Cherokee-Frau“. Als alle lachten, brachte sie sogar einen DNA-Test bei, der ihr eine indianische Abstammung zwischen einem Zweiunddreißigstel und einem Fünfhundertstel bescheinigte. Als nun das Sekretariat der 100-Prozent-Cherokesen protestierte und ein Ethnologe sagte, jeder „weiße“ Amerikaner habe mehr Indianerblut als sie, gab sie auf, auch ihre Kandidatur zur Präsidentschaftskandidatur…

Das war nur eine extreme Schindluderei mit dem modischen Spiel der „identity“ in den USA. Aber in Europa wollen manche die Fehler der USA mit Jahrzehnten Verspätung nachholen. Zwei Autorinnen bei Bloomberg beklagten im Juli 2020, dass man in Frankreichs Firmen nicht so richtig nachweisen, könne, ob die „Diversity“ vorhanden sei. Denn Frankreich kenne keine Rassenregister, leider. In Deutschland rühren sich Kreise für einen „Afrozensus“. Deutsche afrikanischer Abstammung sollen sich melden, „damit schließlich die Angaben zu Strategien für besseren Schutz und Support der Menschen afrikanischen Ursprungs geschaffen werden“. Der Autor dieser Zeilen hat sich gemeldet, weil seine Vorfahren vor 40.000 Jahren aus Afrika eingewandert seien. Spaß beiseite – wenn das wirklich ernst wird, dann hätten wir auch in Europa beispielsweise bevorzugte Schwarze in Sozialwohnungen, die zu Ghettos aussichtslos kasernierter Einwanderer würden, oder Unterstützungen nicht gemäß Bedürftigkeit, sondern gemäß Abstammung, und Zutritt zu Ausbildungen nicht wegen entsprechender Fähigkeit, sondern aufgrund der Geburtsurkunde.

Eine richtige und liberale Gesellschaftspolitik aber heißt: die Republik ist farbenblind. Die Republik kennt keine Gruppenrechte. Die Republik hilft wegen Bedürftigkeit, und zwar allen gleich Bedürftigen in gleichem Maße. Die Republik fördert durchaus differenziert die sprachlichen, schulischen und beruflichen Fähigkeiten je nach vorhandenen Defiziten, doch die Prüfungen und der Lebensweg danach folgen frei diesem „Marschallstab im Tornister“.

Zum Schluss das Licht am Ende des Rassentunnels: die im Neolithikum über die Welt zerstreuten, und leicht verfärbten Menschgruppen wachsen nämlich heute zusammen, durch das Zusammenleben und Kinderkriegen. Vom Turm zu Babylon zur One world! Wenn man sie nicht künstlich katalogisiert und trennt…

[1] „Providing this information is voluntary and has no impact on your employment status, but in the instance of missing information, your employing agency will attempt to identify your race and ethnicity by visual observation.“

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