Die umlagefinanzierten Rentensysteme Europas sind ein falsches Versprechen und bankrott – doch niemand gibt es zu

Alle neuen Rentensysteme Europas nach 1945 konnten vom ersten Tag an Rente zahlen – man legte die Beiträge der Jungen in Renten für die Alten um. Sieben Junge trugen eine Person durchs Alter. Das ist ein Wunder an Solidarität, außer man rechnet ein bisschen nach. Denn seither hat sich alles verschoben – es gibt praktisch nur noch die Hälfte Kinder pro Frau, die Rentenjahre der Älteren haben sich aber vervierfacht, und das Wachstum der Wirtschaft fiel von damals 5% real auf noch 1-2%. Und so geht heute die Rechnung in Europa – etwa zwei Junge tragen einen Rentner, mit Beiträgen aus Einkommen, die kaum mehr zunehmen.

Ein steuerfinanziertes Schneeballsystem

Weil die Beiträge hinten und vorne nicht reichen, schießt der Staat  einen immer größeren Teil aus Steuermitteln zu – Mittel, welche nochmals die jungen Aktiven aufbringen, einen Teil auch die Rentner.

Wer nach 1945 schon rechnen konnte, hat dies als Schneeballsystem bezeichnet, wie der spätere Nobelpreisträger Paul Samuelson 1967: Damit solche Rentensysteme überhaupt funktionieren, müssten immer mehr Kinder geboren werden und immer höhere Einkommen ihre Beiträge leisten. Und im Blick zurück der Weltbankexperten zeigt sich, dass schon gemäß Fakten von 1950 alle Systeme ihre Versprechen massiv überzogen hatten. Seither haben die Politiker aller Lager noch eins draufgegeben. So etwa Kanzler Adenauer 1957, als er die „Volldynamisierung“ versprach, also die Renten sowohl dem Wirtschaftswachstum wie der Inflation nachzuführen. Er gewann damit die absolute Mehrheit in den folgenden Wahlen.

Die Renten sind so zu einer billigen, später und von anderen Jungen zu finanzierenden Demagogie geworden. Soeben hat die neue italienische Regierung wieder mal das Rentenalter gesenkt und die Auszahlungen für viele erhöht. Die große Koalition Deutschlands verbrach Ähnliches sofort nach Amtsantritt 2013 – bei der Rentenhöhe und beim Rentenalter.

Reine Umlage- und kapitalisierte Systeme – und vergebene Chancen

Daher rechnen wir nochmals, aber für ein Kontrastprogramm: Wie wäre es, wenn jede Person von 20 bis 65 Jahren jedes Jahr einen Bruchteil der heutigen Beiträge und Steuermittel für die Rente zurücklegt, aber investiert? Mit ein bis zwei Prozent des Einkommens käme jede Person auf eine halbe bis ganze Million Euro Alterskapital, zu 2,5% Rendite gerechnet. Der Staatsbeitrag beschränkte sich auf den steuerfreien Abzug dieser Sparleistung bis zur Pensionierung, sowie auf eine Minimalrente für jene, die nie oder nicht genügend arbeiteten, und nicht in einer Partnerschaft mitgetragen werden.

Damit ersieht man die zwei Rentensysteme – das Umlagesystem wie gehabt, und das kapitalisierte System, wie in der Schweiz und Holland, teilweise in Schweden und in den USA.

Deutschland ergänzte die Umlage deshalb nicht durch ein zweites System der Kapitalisierung, wie die Schweiz, weil 1952 der der hinsichtlich seines Erfahrungshorizonts etwas beschränkte Professor Gerhard Mackenroth meinte, die Renten müssten immer von den Jungen aufgebracht werden, entweder mit Beiträgen oder mit Dividenden und Zinsen. Es komme daher nicht darauf an. Die eng-nationale Sicht verbaute Deutschland den Beitrag, den Kapitalerträge aus anderen Ländern leisten können. Außerdem wird die Vermögensverteilung viel gleicher, wenn die laufende Vermögensbildung auch gestreut bei allen Arbeitenden erfolgt. Vergebene Chance.

Demagogische Verschleierung statt Suche nach Alternativen

Beim Umlagesystem gibt es wieder zwei idealtypische Varianten. Wie in Schweden und Polen kann man es „rein“ erhalten – eine Formel aus Inlandprodukt und Altersentwicklung hebt oder senkt die Renten. Damit gerät man nie in Schieflage. Oder man verfährt nach dem englischen System – die Renten kommen aus dem allgemeinen Staatshaushalt. Die reine Beitrags- und Rentenumlage wurde 1889 erstmals von Bismarck eingeführt, die rein staatliche Finanzierung entspricht dem Wohlfahrtsstaat von Lord Beveridge nach 1945 in England.

Die demagogische Politik aber hat alles verwischt. Die uferlosen Staatszuschüsse hoben das Versicherungsprinzip der Umlage aus Beiträgen und entsprechenden Anwartschaften (Äquivalenz) aus den Angeln. Es wird nun überhaupt nicht mehr gerechnet, sondern wenn Löcher auftreten, werden Steuermittel gesprochen. Diese kommen überdies in Südeuropa, und neu auch in den USA, aus Kreditaufnahme. Das Schneeballprinzip rollt seinerseits nun in Reinkultur – um Fälligkeiten aus Schulden und Versprechungen zu decken, machen die meisten Länder neue Schulden.

Man braucht nun kein Fanatiker mit Zinseszins-Tabellen zu sein, um zu sagen, so geht es nicht weiter: stagnierende Einkommen, zwei Junge pro Rentner, höhere Rentenversprechen, knappe Staatskassen.

Bankrott oder massiv höhere Steuern – eine andere Rechnung gibt es nicht

Die nicht finanzierten künftigen Verpflichtungen der Staatskassen zeigt die EU. Zusammen mit den ausgewiesenen Staatsschulden machen diese „Schattenschulden“ 2014 in Deutschland 149% des Inlandprodukts aus, in Österreich 221%, in Spanien 592%. Das heißt: Bankrott oder massiv höhere Steuern. Schweden mit seinem sich selbstkorrigierenden Rentensystem hat keine Gesamtschulden, sondern Staatsvermögen. Die Schweiz leistet sich mit dem staatlichen System AHV und den Pflegekosten eine Totalschuld von 200%, doch ihr kapitalisiertes Rentensystem rettet diese ins Positive. Das Land hat ein Alterskapital alles in allem von plus 155% des Inlandprodukts. Schweden und die Schweiz zeigen, wie das Kapitalsystem und die ehrlichen Korrekturen die Renten retten.

Wer dieses Fazit vom Bankrott der Umlage und dem Segen der Kapitalisierung bestreitet, soll seine anders lautenden Rechnungen vorlegen. Es gibt keine.

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