Notenbanker wissen nicht, wie man spart

Dieser Titel ist zweideutig, absichtlich. Allen nüchternen Beobachtern ist klar, dass die Notenbanken selbst  nicht sparen, sondern enorme neue Geldmengen in die Welt setzen. Diese liegen übrigens in deren Bilanzen als Passivum – als Schuld an die Bevölkerung – schwer auf.

Doch die andere Bedeutung des Titels zielt tiefer: Die Notenbanken wissen nicht, wie und warum die einzelnen Haushalte, reich oder arm, sparen. Deshalb machen sie eine falsche Politik.

Denn seit Ben Bernanke, dem früheren Chef der amerikanischen Notenbank, bis heute, und bis zum Präsidenten der Europäischen Notenbank EZB heißt eine der Begründungen für die Geldschwemme, die Haushalte sparten zuviel. Deshalb komme die Volkswirtschaft nicht so richtig ins Rollen.

Nun zeigt aber der stete Kritiker der westlichen Notenbanken David Stockman mit allen zugänglichen Statistiken auf, dass die Haushalte von ihrem verfügbaren Einkommen immer weniger sparen. Seit 2001 fiel diese Sparrate in der EU von gut 14% auf gut 12%, und in den USA fiel sie seit 1976 von etwa 10% auf noch 4% vor der Finanzkrise. Seither hat sie sich dort leicht erhöht, aber nicht auf die früheren Sparleistungen.

Dieser Irrtum der Notenbanken, oder barmherziger gesagt, dieses Missverständnis, hat mit den Schemata im Kopf der immer noch tonangebenden Wissenschafter und Praktiker in den Notenbanken und Universitäten zu tun. Sie sind alle Urenkel des Theoretikers John M. Keynes, der in der Weltwirtschaftskrise empfahl, alle Rohre aufzudrehen, die Staatsdefizite und den Geldhahn der Notenbanken. Das kann kurzfristig allenfalls wirken, aber nach achtzig Jahren Defiziten und immer neuen Schulden ist das Resultat klar – die völlige Überschuldung der westlichen Staaten. Die Schemata in den Köpfen aber hebeln und handeln immer noch mit den großen Aggregaten der Volkswirtschaft und dem Staat, der sie bewegen soll. Sie heißen „der Konsum“, „die Sparquote“, „die Investitionen“, „der Staatssektor“, „die Exporte“, und vor allem „die Gesamtnachfrage“ aller Haushalte, Firmen, des Staates. Die Politiker und die Notenbanken werden in dieser Lehre mit andauerndem Hebeln, eher, Manipulieren aller dieser Aggregate betraut. Der Staat wird zum einzigen und bevollmächtigten Täter.

Niemand fragt, wie ein einzelner Gewerbetreibender, ein Haushalt reagiert, wenn er von zunehmenden Schulden hört und liest. Er wird nämlich vorsichtig und ahnt höhere Steuern. Niemand fragt, wie ein Haushalt reagiert, wenn er fürs Sparen keine Zinsen mehr bekommt. Er spart mehr an. Hingegen kurbeln die Haushalte, die sich der Tiefzinsen wegen mehr verschulden, den Konsum nicht fühlbar an, wie man sieht.

Damit sind wir beim fundamentalen Missverständnis. Die Notenbanken und ihre großen Hantierer an den Aggregaten nehmen an, ohne Zinsen verleide den Haushalten das Sparen und sie gehen hin, werfen alles Geld in den Konsum. Ebenso die Firmen, die Gewerbetreibenden. Bleiben wir bei den Haushalten.

Glücklicherweise ist die Ökonomie keine Einbahnwissenschaft. Sondern gewichtige Nobelpreisträger wie Milton Friedman und Franco Modigliani stellten eine „Lebenszyklushypothese“ auf. Sie hat unterdessen viele Variationen erfahren, besagt aber, dass die Haushalte ein Sparziel im Leben haben. Geht man vom einzelnen Bürger, von seinem Haushalt, von seinem Sparziel aus, dann wird er bei Nullzinsen mehr sparen, nicht weniger, darf man mit gesundem Hausverstand annehmen. Er will offenbar eine größere Anschaffung machen, ein Haus kaufen, den Lebensabend sichern. Deshalb spart er, verschleudert er sein Einkommen nicht, weil die Notenbank mit großer Kelle, aber tiefen Zinsen, vom Sparen abwinkt und ihn entmutigen will.

Diese im Gegensatz zum Keynesianismus stehende Variante der Ökonomie heißt „Österreichische Schule der Nationalökonomie“. Ihre bekanntesten Vertreter sind  Ludwig von Mises, Friedrich A. Hayek und deren heutige Nachfolger. Sie gehen von den mutmaßlichen Verhaltensweisen der einzelnen Wirtschaftsbürger aus, von Firmen, Haushalten, und rechnen diese dann millionenfach hinauf. Damit erhält man auch „Aggregate“, also große Trends der gesamten Volkswirtschaft, aber plausible, auf dem Boden gründende. Die Perspektive kann als „bottom-up“ gelten, im Gegensatz zu den keynesianischen „top-down“-Aggregaten, mit welchen die Technokraten heute zu hantieren suchen.

David Stockman war der damals sehr junge Budget-Direktor unter Präsident Reagan und kündigte seine Stellung aus Protest gegen das schon wild wuchernde Staatsdefizit. Heute geißelt er die fast ins Unermessliche gestiegenen Defizite und Schuldenberge, sowie die riesigen Geldmengen, die dies alles weiterzuschleppen helfen. Sein Hauptargument gegen die Notenbanken ist einsichtig – sie argumentieren gegen jeden ökonomischen Verstand, und wie das Sparen zeigt, auch gegen den gesunden Hausverstand. Es gab wohl noch nie negative Zinsen, seit König Krösus das Goldgeld in die Welt setzte. Heute werden sie als das entscheidende Instrument der Notenbanken angesetzt, um Kredite, also noch mehr Schulden, in die Volkswirtschaften zu treiben. Der Hausverstand aber sieht in Negativzinsen nur eines – eine Enteignung.

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