Mit der Straße von Hormus hat das iranische Regime ein mächtiges Machtmittel in der Hand, das es nicht nur zugunsten seiner Stellvertretergruppen, wie der Hisbollah, sondern möglicherweise auch zugunsten Chinas nutzt (Symbolbild) (Foto: 123RF)
Der Angriff der USA und Israels am Morgen des 28. Februars 2026 und die Tötung des „Obersten Islamischen Führers“ des Iran, Ayatollah Ali Chamenei, kamen nicht allein für das iranische Regime unerwartet. Lange hatten es Beobachter nicht für möglich gehalten, dass nach der Bombardierung der iranischen Atomanlagen im Juni 2025 ein erneuter Angriff erfolgen würde. Trotz der Verlegung des US-amerikanischen Flugzeugträgers in die Region herrschte bis zuletzt Ungläubigkeit, wurde er doch von vielen Berichterstattern als Drohkulisse für die – wie so oft – erfolglosen Gespräche mit dem iranischen Regime über den Abbau des Atomprogramms in Genf gehalten.
Der genaue Zeitpunkt des Angriffs mag überraschend sein – die allgemeine Entwicklung und die rasante Zuspitzung der direkten Konfrontation, insbesondere zwischen Israel und Iran, sind es nicht. Ein Krieg, der schon lange im Schatten geführt wurde, tritt nun zu Tage.
Noch entscheidender ist im zweiten Schritt der Blick über die direkte Konfliktregion hinaus. Im Fokus steht das Handeln der USA, deren strategisches Ziel vor allem einen Akteur ins Visier nehmen könnte: China.
Um die Entwicklung einzuordnen, gilt es, zunächst einen Blick auf die Fundamente des iranischen Staates sowie auf seine Stellvertreter-Strukturen in der Region und das Atomprogramm zu werfen. Noch entscheidender ist im zweiten Schritt der Blick über die direkte Konfliktregion hinaus. Im Fokus steht das Handeln der USA, deren strategisches Ziel vor allem einen Akteur ins Visier nehmen könnte: China.
Die Islamische Revolution als Schlüsselmoment
Um die Ziele des Iran und dessen fundamentale Feindschaft zu Israel und den USA zu verstehen, ist die Islamische Revolution im Jahr 1979 als Schlüsselmoment entscheidend. Bereits Mitte der 70er Jahre wuchs im Iran der Widerstand gegen den Schah, der nach einem gemeinsam von Großbritannien und den USA inszenierten Putsch in den 1950er Jahren an die Macht gekommen war. Unter der Pahlevi-Dynastie wurde die wirtschaftliche und gesellschaftliche Modernisierung des Irans mit autoritärer Gewalt vorangetrieben. Eine Entwicklung, die im Gegensatz zur Lebensrealität vieler Iraner, insbesondere in den ärmeren ländlichen Regionen, stand und fruchtbaren Boden für anti-amerikanische und religiös gefärbte Hetze bot.
Im Jahr 1979 überschlugen sich schließlich die Ereignisse: Nach großen Massenprotesten flüchtete der Schah im Januar ins amerikanische Exil. Im April rief der zurückgekehrte Ayatollah Khomeini – einst vom Schah ins Exil verbannt – die „Islamische Republik Iran“ nach dem Prinzip des „Velayat e-Faqih“, der „Herrschaft des Rechtsgelehrten“, aus. Es lohnt sich, einen Blick auf diese neue, eigens für den schiitischen Islam entworfene Staatsform zu werfen, an dessen Spitze der „Oberste Islamische Führer“, der Ayatollah selbst, steht. So sind die staatlichen Institutionen im Iran in zwei Systeme unterteilt: Während das eine, mit einigen Einschränkungen, dem demokratisch gewählten Willen des iranischen Volkes entspricht, beruht das andere allein auf dem „göttlich“ legitimierten Führer, dem Ayatollah.
Bis heute sind diese von Khomeini entworfenen Grundsätze der Islamischen Revolution in der iranischen Verfassung verankert und prägen den Staat sowie sein Handeln maßgeblich.
Die eng verwobene Doppelstruktur ist auch im militärischen Bereich des Iran sichtbar. So existiert neben der regulären iranischen Armee, eine weitere Einheit: Die sogenannten Revolutionsgarden, mit eigenen Armee-, Marine- und Luftwaffeneinheiten. Sie sind es, die derzeit die Straße von Hormus kontrollieren. Schätzungen gehen von rund 180.000 bewaffneten Mitgliedern aus. Diese dienen nicht dem Schutz des Landes und seiner Bewohner, sondern vielmehr den Grundsätzen der Islamischen Revolution – eine Tatsache, die besonders durch die brutale Niederschlagung der Proteste im Januar 2026 verdeutlicht wird. Hierfür existieren die Basidsch-Milizen, eine Reservisteneinheit zur Bekämpfung von Protesten im Landesinneren. Wie die Revolutionsgarden verhehlen auch die Auslandseinheiten, die „Quds-Brigaden“, zu Deutsch „Jerusalem-Brigaden“, ihr Ziel im Namen nicht. Ihnen obliegt die Aufgabe des Revolutionsexports und der regionalen Expansion mit einem klaren Ziel: Israel.
Die Feindschaft und aktive Bekämpfung Israels wurden von Ayatollah Khomeini zu einem Dogma des iranischen Regimes erhoben.
Sie alle sind allein dem „Obersten Islamischen Führer“ unterstellt. Dieser steht, basierend auf dem dynastischen Glauben des Schiismus, stellvertretend für den zwölften Imam, den sogenannten „Mahdi“, direkter Nachfolger Mohammeds. Dem schiitischen Glauben nach ist dieser zwölfte Imam im Jahr 874 nicht gestorben, sondern „entrückt“. Es herrscht die Überzeugung, dass er eines Tages zurückkehren werde, um eine „wahrhaft“ islamische Herrschaft zu etablieren. Als „Oberster Islamischer Führer“ standen Ayatollah Khomeini und sein Nachfolger Ayatollah Ali Chamenei stellvertretend für den „Mahdi“ und folglich über jeder menschengemachten Verfassung. Bis heute sind diese von Khomeini entworfenen Grundsätze der Islamischen Revolution in der iranischen Verfassung verankert und prägen den Staat sowie sein Handeln maßgeblich.
Trotz schwerer Machtkämpfe zu Beginn der 1980er-Jahre erwies sich das Regime des Ayatollah Khomeini als äußerst widerstandsfähig und überstand auch den Iranisch-Irakischen Krieg, welcher von 1980 bis 1988 andauerte. Der achtjährige, blutige Krieg hinterließ Spuren im kollektiven Gedächtnis der iranischen Bevölkerung. Besonders der Einsatz chemischer Waffen durch den Irak führte zu einem tiefen Gefühl der Verletzlichkeit. Das iranische Regime leitete daraus ein immanentes Recht auf Selbstverteidigung ab, welches auch durch Massenvernichtungswaffen gesichert werden sollte: Der Beginn des iranischen Atomprogramms, das – trotz erdrückender internationaler Sanktionen – laut Berichten der IAEA nie vollständig eingestellt wurde.
Während Khomeini die USA stets als „großen Satan“ bezeichnete, wurde Israel vom iranischen Regime schon bald zum „kleinen Satan“ erklärt. Der Staat Israel wurde als ein Werkzeug der Kolonisierung dargestellt, als ultimativer Repräsentant des amerikanischen Imperialismus. Die Feindschaft und aktive Bekämpfung Israels wurden von Ayatollah Khomeini zu einem Dogma des iranischen Regimes erhoben.
Die regionale Expansion des Iran
Trotz der zentralen Rolle Israels als Feindbild in Khomeinis Ideologie war es für das iranische Regime zu Beginn schwer, neue Verbündete in der arabischen Welt zu gewinnen. Die mehrheitlich sunnitisch geprägten arabischen Staaten lehnten die schiitische Ideologie des „Velayat e-Faqih“ ab. Auch die palästinensische Nationalbewegung war in den 1980er Jahren zu säkular geprägt, um sich der religiösen anti-israelischen Ideologie des Ayatollah zu unterwerfen. Schließlich erwies sich der Libanon mit seiner schiitischen Minderheit als erste Möglichkeit, die Islamische Revolution zu exportieren.
Verbindet man die Punkte im Libanon, Syrien, Jemen und Irak bildet sich der sogenannte „schiitische Halbmond“ – oder die von Iran bezeichnete „Achse des Widerstands“.
Während die Gründung der schiitischen „Hisbollah“, „Partei Gottes“, im Libanon im Jahr 1982 den Anfang bildete, folgten bald schiitische Milizen im Irak, der Palästinensische Islamische Jihad im Gazastreifen, die Huthis im Jemen und nicht zuletzt die kontinuierliche iranische Unterstützung des ehemaligen syrischen Diktators Bashar al-Assad in Syrien sowie diverser Terrorgruppen in der Region. Verbindet man die Punkte im Libanon, Syrien, Jemen und Irak bildet sich der sogenannte „schiitische Halbmond“ – oder die von Iran bezeichnete „Achse des Widerstands“, die nicht nur von Israel, sondern auch von den Golfmonarchien der Region zunehmend als Bedrohung wahrgenommen wurde.
Der 7. Oktober als Wendepunkt
Die Reaktion Israels auf den Angriff der Terrorgruppe Hamas am 7. Oktober 2023 kann als Wendepunkt dieser Entwicklung betrachtet werden. Während die Hamas im Süden hunderte Menschen abschlachtete, griff auch die Hisbollah den Norden Israels an. Israels entschiedenes Vorgehen gegen Hamas und Hisbollah markierte den Startpunkt einer kontinuierlichen Entmachtung der iranischen Stellvertreter in der Region. In diesem Zusammenhang steht auch der Sturz des syrischen Assad-Regimes im Dezember 2024. So konnte die Hisbollah nicht wie üblich dem angeschlagenen Regime zur Hilfe eilen. Die israelische Bombardierung syrischer Armeestützpunkte und Radaranlagen im Zuge des Umsturzes ebnete wiederum den Angriffen auf Iran im Juni 2025 den Weg. Ohne dies wäre ein direkter Angriff auf iranisches Territorium unmöglich gewesen.
Es ist nicht überraschend, dass Israel schließlich am 28. Februar die Chance zum Angriff nutzte als das iranische Regime, nach massiven gesellschaftlichen Protesten im Inneren und taumelnden Stellvertreter-Gruppen im Äußeren, verwundbar erschien.
Die langsame, aber konsequente Entmachtung der iranischen Stellvertretergruppen erklärt den Zeitpunkt der aktuellen Eskalation. Israel nutzte, wie einige Beobachter anführen, den Boiling-Frog-Effekt. Genau wie die Temperatur im metaphorischen Kochtopf langsam, aber stetig erhöht wird, ohne dass es der Frosch bemerkt und im gleichen Maß handeln kann, trieb Israel, begleitet von den USA, die Angriffe gegen den Iran schrittweise voran: Die Tötung Qassem Soleimanis, Kommandeur der iranischen Revolutionsgarden, erfolgte bereits im Januar 2020 durch einen US-amerikanischen Drohnenangriff im Irak. Es folgten die Tötung Ismael Haniyeehs, Chef der von Iran unterstützten Hamas, in Teheran im Juli und Hassan Nasrallahs, Anführer der schiitischen Hisbollah-Miliz, im September 2024 in Beirut sowie die Angriffe auf iranische Atomanlagen im Juni 2025. Die Angriffe und gezielten Tötungen verdeutlichen die zunehmende Intensität und räumliche Nähe der Schläge.
Es ist nicht überraschend, dass Israel schließlich am 28. Februar die Chance zum Angriff nutzte als das iranische Regime, nach massiven gesellschaftlichen Protesten im Inneren und taumelnden Stellvertreter-Gruppen im Äußeren, verwundbar erschien.
Doch was veranlasste die Trump-Administration, die noch im Jahr 2017 eine Rückkehr zu „America First“ und ein Ende des amerikanischen Interventionismus beschwor, zu einer direkten Konfrontation mit einem nahöstlichen Regime?
China als strategischer Rivale
Hierfür ist im zweiten Schritt der Blick über die direkte Konfliktregion hinaus entscheidend – hin zu einem Land, das Trump bereits in seiner ersten Amtszeit als strategischen Rivalen, gar als Feind bezeichnete: China.
In der Golfregion steht weitaus mehr als eine strategische Partnerschaft zwischen China und dem Iran auf dem Spiel.
Um dies zu verstehen, gilt es, einen Blick auf die Energieexporte des von westlicher Seite hochsanktionierten iranischen Regimes zu werfen: Hauptabnehmer von rund 90 Prozent des iranischen Öls ist Schätzungen zufolge China. So dient der massive Ausbau der erneuerbaren Energien in der Volksrepublik keineswegs der Substitution fossiler Brennstoffe, sondern vielmehr deren Ergänzung und dem konsequenten Energieausbau – bis hin zu einer möglichen Energieautonomie.
Der Transport des stark vergünstigten Öls erfolgt mittels einer iranischen Schattenflotte. Es ist die wirtschaftliche Lebensversicherung des iranischen Regimes, dessen Wirtschaft sich seit Jahren im freien Fall befindet. Auch im technologischen Bereich ist eine verstärkte Zusammenarbeit zu erkennen, wie die Einbindung von Huawei in die kritische Infrastruktur, die Nutzung chinesischer Überwachungstechnologien und, laut Recherchen der Financial Times, gar der Kauf eines chinesischen Satelliten zeigen. Wie auch im Falle Venezuelas positioniert sich China als pragmatischer Partner an der Seite des Regimes.
Doch in der Golfregion steht weitaus mehr als eine strategische Partnerschaft zwischen China und dem Iran auf dem Spiel: Während die USA erklärte Schutzmacht der Golfmonarchien sind, ist China deren wichtigster Kunde. Dies rückt einen weiteren Aspekt in den Fokus, der die strategische Bedeutung der Region sichtbar macht: das Petrodollar-Regime. Dieses geht auf ein Abkommen der USA und Saudi-Arabiens zurück. Nach dem Ende der Goldbindung des Dollars im Rahmen des Bretton-Woods-Systems im Jahr 1971, erklärte sich Saudi-Arabien 1974 bereit, den Ölpreis an den US-Dollar zu knüpfen und Überschüsse in US-Staatsanleihen zu investieren. Dieses Abkommen sicherte die Nachfrage sowie den Status des Dollars als Reservewährung und war mit ausschlaggebend für die Sicherung seiner weltweiten Dominanz. Als Gegenleistung folgten militärische Sicherheitsgarantien der USA.
Ein neuer „Petro-Yuan“?
Doch nicht erst seit Beginn des Iran-Kriegs wird das Fundament des Petrodollars langsam unterspült. So fließen, Schätzungen des Research Institutes der Deutschen Bank zufolge, rund 85 Prozent des Öls der Golfstaaten nach Asien. Diese Tatsache rüttelt an der Selbstverständlichkeit des Öl-Handels in US-Dollar und macht eine Bepreisung im chinesischen Yuan – zumindest im bilateralen Handel – denkbar. Es wäre nicht der erste Versuch Chinas, den US-Dollar zu schwächen und gar zu versuchen, eine Art „Petro-Yuan“, wie Mallika Sachdeva von der Deutschen Bank es nennt, zu etablieren. Bereits im Rahmen der BRICS+ Staaten gab es Versuche, alternative Zahlungssysteme zwischen den Mitgliedern zu etablieren und den US-Dollar zu schwächen. Das, von westlicher Seite sanktionierte, russische und iranische Öl wird schon lange in Nicht-Dollar-Währungen gehandelt.
Es zeigt, dass das iranische Regime mit der Straße von Hormus ein mächtiges Machtmittel besitzt, das es möglicherweise auch zugunsten Chinas nutzt.
Laut übereinstimmender Medienberichte verhandelte das iranische Regime nun mit mehreren Staaten, wobei es die Durchfahrt von Schiffen durch die Passage an eine Zahlung in Yuan knüpft. Es zeigt, dass das iranische Regime mit der Straße von Hormus ein mächtiges Machtmittel besitzt, das es möglicherweise auch zugunsten Chinas nutzt. Die Angriffe des Iran auf US-Militärstützpunkte und Raffinerien in der Golfregion destabilisieren darüber hinaus eine weitere Stütze des Petrodollars – die US-Sicherheitsgarantien.
Während die Präsenz des US-Militärs, laut iranischer Argumentation, die Golfstaaten überhaupt erst zu Zielscheiben der Angriffe mache, ist dieses nicht in der Lage, die Angriffe vollumfänglich abzuwehren. Die Golfstaaten werden, trotz der mit Fußballturnieren und Wohlstand feinsäuberlich gehegten Illusion von Sicherheit, vom dröhnenden Störgeräusch der Instabilität und der Konflikte des Nahen Ostens eingeholt. Die glänzende Fassade bekommt nicht nur durch abstürzende Raketentrümmer Risse.
Während das Vorgehen der USA im Iran-Krieg die Golfstaaten tiefer in die Eskalation zu ziehen scheint, versucht China, sich als verlässlicher und berechenbarer, diplomatischer Partner zu positionieren. Noch im Jahr 2023 vermittelte Peking ein Abkommen zwischen den geopolitischen und religiösen Erzfeinden Iran und Saudi-Arabien. China inszeniert sich als diplomatischer Friedensstifter, während die Partnerschaft mit den USA für die Golfstaaten zunehmend zur Belastung wird.
Folgt man dieser Argumentation wäre der Angriff der USA auf den Iran letztlich eine Fortsetzung der „Pivot to Asia“-Strategie, die bereits unter der Obama-Administration begonnen wurde und den Einfluss des strategischen Rivalen eindämmen soll.
Darüber hinaus profitiert die Volksrepublik, wie Zineb Riboua, Research Fellow am Hudson Institute, betont, auch von der militärischen Gebundenheit der USA in den zahlreichen Konflikten im Nahen Osten – ausgelöst auch durch von Teheran unterstützte Terrorgruppen in der Region, die einzig von Israel als US-Verbündeten bekämpft würden. Dies hindere die USA daran, stärker im Pazifik aktiv zu werden. Der Angriff auf den Iran sei folglich ein Versuch, einen Befreiungsschlag zu wagen, um mehr militärische und finanzielle Kapazitäten für den Pazifik zu haben.
Folgt man dieser Argumentation wäre der Angriff der USA auf den Iran letztlich eine Fortsetzung der „Pivot to Asia“-Strategie, die bereits unter der Obama-Administration begonnen wurde und den Einfluss des strategischen Rivalen eindämmen soll.
Iran ist nicht Venezuela
Es ist nicht überraschend, dass sich die Trump-Regierung, nach dem Angriff auf Venezuela, ein weiteres Mal über die regelbasierte Ordnung hinwegsetzt und den Angriff möglicherweise als Schlag gegen den strategischen Rivalen nutzt. Doch der Iran ist nicht Venezuela. Die iranischen Revolutionsgarden und zivilen Basidsch-Milizen lassen sich nicht mit den „Enchufados“, der ehemals eng mit Maduro verbundenen Oberschicht vergleichen. Der Iran liegt nicht in Lateinamerika, dem von Trump erneut erklärten „Hinterhof der USA“. Und während die USA in Venezuela mittlerweile die Ölversorgung kontrollieren und auf diese Weise zusehends das kubanische Regime abschotten sowie das Land dem chinesischen Einfluss entziehen, kam der Transport von Öl und Flüssiggas in der Straße von Hormus während der Kriegshandlungen im Februar und März faktisch zum Erliegen.
Die amerikanische Hoffnung scheint gewagt, trotz der Angriffe auf ein militärisch hoch gerüstetes Regime, die Straße von Hormus, den Flaschenhals der weltweiten Ölversorgung mit einer langen iranischen Küstenlinie, kontrollieren zu können.
Überraschend ist folglich vielmehr die gehegte Zuversicht der USA, ein religiöses Regime, das seit Jahrzehnten sein Fundament mit massivem gesellschaftlichem Terror und straff organisierten militärischen Parallelstrukturen im Inneren sowie mit Expansionismus und bewaffneten Stellvertreter-Gruppen nach Außen betoniert, mit gezielten Militärschlägen ins Wanken bringen zu können.
Die amerikanische Hoffnung scheint gewagt, trotz der Angriffe auf ein militärisch hoch gerüstetes Regime, die Straße von Hormus, den Flaschenhals der weltweiten Ölversorgung mit einer langen iranischen Küstenlinie, kontrollieren zu können, während bereits vereinzelte Raketen der weitaus schlechter bewaffneten, von Iran unterstützten Huthi-Rebellen im Jemen ausreichten, um das Bab el Mandab, das „Tor der Tränen“, und damit den Welthandel im Roten Meer zu lähmen.
Es scheint fraglich, ob eine langfristige Strategie der USA vorliegt, wenn weiterhin kein Einlenken des iranischen Regimes erkennbar ist und die ökonomischen wie auch politischen Kosten des Krieges für die Trump-Administration wachsen. Während die USA möglicherweise auf einen kurzen Angriff mit präzisen militärischen Eingriffen hofften, folgt der Iran einer längeren zeitlichen Logik, die in der von Terrorgruppen, wie der Hamas im Gazastreifen und der Hisbollah im Libanon, wurzelt: Ein Überleben des Regimes um jeden Preis, ohne Rücksicht auf humanitäre Verluste, massive Schäden an der Infrastruktur und einer Wirtschaft, die im Iran bereits seit Jahrzehnten am Boden liegt. Der reine Machterhalt wird – ähnlich wie im von Trümmern übersäten Gazastreifen – zum Sieg erklärt.
Ein wahrer Wandel scheint im Iran – zumindest kurzfristig – unwahrscheinlich. So darf die Stabilität des Regimes nicht unterschätzt werden. Es ist ein Regime, das nicht allein durch den „Obersten Islamischen Führer“ und eine kleine Führungsriege getragen wird, sondern Militär, Wirtschaft und Gesellschaft durchdrungen hat und bereit ist, jedweden innergesellschaftlichen Widerstand – wie in den Januar-Wochen des Jahres 2026 – auf das Blutigste niederzuschlagen.
Wahrscheinlich scheint nur, dass der Iran – je stärker und existenzieller der Druck der amerikanisch-israelischen Allianz – zu einer weiteren Eskalation strebt, die insbesondere die Energieinfrastruktur der Golfstaaten ins Visier nehmen und weitaus größere Kreise ziehen könnte. Dabei wird auch der Freihandel zum Kollateralschaden des Konflikts, der zusätzlich zu der schier endlosen Zahl an Handelshemmnissen der vergangenen Jahre eine weitere Herausforderung aufgebürdet bekommt: die Unsicherheit und die wirtschaftlichen Folgen des Krieges. Auch wenn China selbst von den hohen Ölpreisen und der Knappheit betroffen ist, profitiert es doch von der Bindung der amerikanischen Ressourcen am Golf und der Selbstinszenierung als Gegenstück zum, vielfach als erratisch-handelnd dargestellten, US-Präsidenten.
Der Fall des Iran-Kriegs zeigt, wie unerlässlich eine Analyse der Hintergründe sowie gleichzeitig der geopolitische Gesamtblick auf das aktuelle Geschehen sind, um die Logik der handelnden Parteien und die neue geopolitische Weltkarte zu verstehen und besser mit Unsicherheiten und Abhängigkeiten umzugehen. Denn ein schneller Wandel oder gar eine zeitnahe Rückkehr zur internationalen regelbasierten Ordnung sind nicht in Sicht.