Carl Menger: Grundsätze der Volkswirtschaftslehre

Mengers erstes Werk erschien im Frühjahr 1871 und legte den Grundstein für die Entstehung der Österreichischen Schule der Nationalökonomie. Die Probleme, mit denen sich Menger darin befasst, sind: die Bedingungen wirtschaftlichen Handelns, Tauschwert, Preis und Geld. Ein Hauptziel Mengers ist die Entwicklung einer einheitlichen Preistheorie, die alle Preiserscheinungen unter einem einheitlichen Gesichtspunkt erklärt. Breiten Raum erhält die Darstellung des Werts in seinem subjektiven Sinn.

Einleitung

Die Veröffentlichung der „Grundsätze der Volkswirtschaftslehre“ im Frühjahr 1871 gilt als Geburtsstunde der Österreichischen Schule der Nationalökonomie. Carl Mengers zentrales Ziel war unter anderem die Entwicklung einer einheitlichen Preistheorie, die alle Preiserscheinungen erklärt. Viel Raum erhält dabei die Darlegung der subjektiven Bedeutung des Werts.

Vorrede

Dieses Werk ergründet die empirischen Grundlagen der Volkswirtschaftslehre, indem es komplizierte Erscheinungen durch ihre Entwicklung aus den „einfachsten, der sicheren Beobachtung zugänglichen Elementen“ erklärt. Das wird zu einer Analyse der Bedingungen wirtschaftlichen Handelns führen und in weiterer Folge zur Ausarbeitung einer umfassenden Preistheorie.

1. Kapitel. Die allgemeine Lehre vom Gute

Ein Ding ist ein Gut, insofern es jemand besitzt, wissend, dass es eines seiner Bedürfnisse befriedigt. Ein Gut erster Ordnung (Konsumgut) befriedigt ein Bedürfnis unmittelbar, ein Gut höherer Ordnung mittelbar, indem durch es ein Gut erster Ordnung hergestellt wird. Hierfür müssen freilich alle weiteren Güter höherer Ordnung vorhanden sein. Mit wachsendem Fortschritt werden die Güterarten vielfältiger.

2. Kapitel. Die Wirtschaft und die wirtschaftlichen Güter (Erster Teil)

Die Deckung des Bedarfs braucht Vorsorge. Sie setzt zwei Erkenntnisse voraus: Die Erkenntnis unseres Bedarfs an den nötigen Genussgütern und Produktionsgütern innerhalb des bevorstehenden Zeitraums, und an den faktisch vorhanden Gütern in dieser Zeit.

2. Kapitel. Die Wirtschaft und die wirtschaftlichen Güter (Zweiter Teil)

Wirtschaftliche Güter sind knapp. Daher ist man gezwungen, mit ihnen wirtschaftlich zu handeln. Bei nicht ökonomischen Gütern besteht Kommunismus, denn niemand ist genötigt, solche Güter für sich zu sichern.

2. Kapitel. Die Wirtschaft und die wirtschaftlichen Güter (Dritter Teil)

Ein Gut kann durch Veränderung des Verhältnisses zwischen dem Bedarf nach ihm und seiner Menge den ökonomischen Charakter verlieren. Das Vermögen einer Person ist die Gesamtheit seiner ökonomischen Güter.

3. Kapitel. Die Lehre vom Wert § 1

Der Wert eines Guts bezeichnet die Bedeutung, die dieses Gut für Leben und Wohlfahrt bestimmter Menschen hat. Der ökonomische Charakter eines Guts und sein Wert entspringen aus derselben Quelle, nämlich der Erkenntnis ihrer Knappheit.

3. Kapitel: Die Lehre vom Wert § 2 (a)

Die Höhe des Werts eines ökonomischen Gutes hängt von der Höhe der Bedeutung des Bedürfnisses ab, das dieses Gut befriedigt. Die Erkenntnis der Bedeutung dieser Bedürfnisbefriedigung ist das subjektive Moment des Güterwerts.

3. Kapitel: Die Lehre vom Wert § 2 (b/1)

Die Gesamtquantität eines Gutes sichert einem Individuum verschiedene Bedürfnisbefriedigungen. Von den am wenigsten wichtigen dieser Bedürfnisbefriedigungen hängt der Wert der Teilquantitäten dieses Gutes für das Individuum ab.

3. Kapitel: Die Lehre vom Wert § 2 (b/2)

Das Wasser-Diamanten-Paradoxon ist gelöst: Eine Teilquantität Trinkwasser hat so viel wert, wie die am wenigsten wichtige Bedürfnisbefriedigung, die von ihr abhängt. Bei im Überfluss vorhandenem Trinkwasser hat sie daher keinen Wert, in der Wüste aber einen höheren als Gold.

3. Kapitel: Die Lehre vom Wert § 2 (c)

Auch wenn die Teilmengen einer Gütermenge unterschiedlicher Qualität sind, kommt das Prinzip der Bestimmung des Wertes konkreter Güter zur Anwendung.

3. Kapitel: Die Lehre vom Wert § 2 (d)

Das Maß des Wertes ist subjektiver Natur und nicht durch den Arbeitsaufwand bestimmt. Allerdings unterliegt es nicht unserer Willkür. Wir können uns hinsichtlich des Wertes auch irren.

3. Kapitel. Die Lehre vom Wert § 3 (a)

Einem der grundlegendsten Irrtümer zufolge erklärt der Wert der Güter höherer Ordnung den Wert der Produkte, den diese hervorbringen. In Wahrheit ist es umgekehrt: Der voraussichtliche künftige Wert der Güter niederer Ordnung bestimmt den Wert der sie hervorbringenden Güter höherer Ordnung.

3. Kapitel. Die Lehre vom Wert § 3 (b)

Kapitalnutzungen sind ein Mittel zur besseren Bedürfnisbefriedigung und bei Knappheit ein ökonomisches Gut. Es dient dazu, auch in Zukunft unsere Bedürfnisse befriedigen zu können. Zinszahlungen sind deshalb nicht eine Entschädigung für Konsumverzicht, sondern schlicht der Eintausch eines ökonomischen Gutes gegen ein anderes.

3. Kapitel. Die Lehre vom Wert § 3 (c)

Kapitalnutzungen und Unternehmertätigkeit sind Güter höherer Ordnung und gehören zum Wert der Gesamtheit der Güter höherer Ordnung. Kapitalnutzung und Unternehmertätigkeit sind beide ebenso unausweichliche Vorbedingungen jeder ökonomischen Gütererzeugung.

3. Kapitel. Die Lehre vom Wert § 3 (d)

Der Wert eines konkreten Gutes (oder einer Güterquantität) ist gleich der Bedeutung jener Bedürfnisbefriedigungen, auf die ein wirtschaftendes Subjekt verzichten müsste, sofern es über jenes Gut (oder jene Güterquantität) nicht verfügen würde. Dieser Grundsatz gilt auch für Güter höherer Ordnung.

3. Kapitel. Die Lehre vom Wert § 3 (e)

Grundstücke und Arbeitsleistungen haben keine Sonderstellung unter den Gütern. Bezüglich ihres Wertes gelten folglich dieselben Gesetze wie bei allen anderen Gütern. Doch einige Ökonomen nahmen an, hier bestünden andere Prinzipien, die Wert und Preisbildung bestimmen. Der Grund: Diese Ökonomen vertraten eine falsche Werttheorie.

4. Kapitel. Die Lehre vom Tausche § 1

Das Prinzip, das die Menschen zum Tausche führt, ist kein anderes, als dasjenige, das sie bei ihrer gesamten ökonomischen Tätigkeit überhaupt leitet: das Streben nach der möglichst vollständigen Befriedigung ihrer Bedürfnisse.

4. Kapitel. Die Lehre vom Tausche § 2

Zwei Subjekte tauschen Güter solange aus, bis diese keine Güterquantität mehr besitzen, die für sie weniger Wert hat als eine Güterquantität in der Verfügung des jeweils anderen Subjekts. Wenn beide Subjekte diese Grenze erreichen, haben sie durch ihre Tauschoperationen den vollen ökonomische Nutzen erreicht. Jede weitere Tauschhandlung darüber hinaus wäre unökonomisch.

5. Kapitel. Die Lehre vom Preis. Einleitung

Die Preise sind nur beiläufige Erscheinungen des Tauschprozesses. Das Wesentliche am Tausch ist: Er dient der möglichst vollständigen Befriedigung der Bedürfnisse. Deshalb tauschen die Menschen. Zwei gegeneinander getauschte Güter sind keine Äquivalente im objektiven Sinn: Wert und Tausch sind nämlich grundsätzlich subjektiver Natur.

5. Kapitel. Die Lehre vom Preis § 1

Die einfachste Form der Preisbildung geschieht beim isolierten Tausch. Hierbei legen die subjektiven Äquivalente der beiden tauschenden Subjekte die Grenzen der Preisbildung fest. Der Preis tendiert zum natürlichen Mittelpunkt zwischen diesen beiden Grenzen.

5. Kapitel. Die Lehre vom Preis § 2 (1. Teil)

Bei der nächstkomplizierteren Form des Tausches bietet ein Monopolist seine Ware mehreren miteinander konkurrierenden Subjekten an. Sofern er ein einzelnes, unteilbares Monopolgut anbietet, schließt er das Tauschgeschäft mit dem tauschkräftigeren Konkurrenten ab. Wenn er hingegen mehrere Güter anbietet, gelangen diese an die tauschkräftigsten Konkurrenten.

5. Kapitel. Die Lehre vom Preis § 2 (2. Teil)

Für gewöhnlich legt der Monopolist die Preise schon zuvor fest. Je niedriger der Preis ist, umso höher ist die Zahl der verkauften Quantitäten. Der Monopolist kann aber nicht gleichzeitig die Höhe des Preises und die Menge des Monopolgutes bestimmen. Manchmal zahlt es sich für den Monopolisten nicht aus, alle Güterquantitäten anzubieten.

5. Kapitel. Die Lehre vom Preis § 3

In der Regel entsteht zuerst das Monopol, erst dann folgen Konkurrenten, denn sie können den steigenden Bedarf besser bedienen. Sofern sie dieselbe Warenquantität anbieten wie zuvor der Monopolist, bleiben Preisbildung und Güterverteilung gleich. Allerdings können Konkurrenten im Gegensatz zum Monopolisten keinen größeren Erlös erzielen, wenn sie weniger Waren anbieten.

6. Kapitel. Gebrauchswert und Tauschwert

7. Kapitel. Die Lehre von der Waare

8. Kapitel. Die Lehre vom Gelde