1. Die allgemeine Lehre vom Gute

Carl Menger: Grundsätze der Volkswirtschaftslehre

Die Bedingungen, unter denen ein Ding ein Gut wird

„Alle Dinge stehen unter dem Gesetz von Ursache und Wirkung.“ Wissenschaftliche Erkenntnis besteht in der Einsicht in diesen Zusammenhang von Wirkung und Ursache. Durch sie entsteht auch menschlicher Fortschritt.

Der Mensch selbst und alle seine Zustände stehen ebenfalls unter dem Kausalitätsgesetz. Der Übergang vom Zustand des Bedürfens zu jenem des befriedigten Bedürfnisses kann daher nur durch ausreichende Ursachen (Kräfte im Organismus selbst oder ein äußeres Ding) ausgelöst werden. Dinge, die in eine Kausalbeziehung zur Befriedigung menschlicher Bedürfnisse eintreten können, nennen wir Nützlichkeiten. Zwei Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit ein Ding eine Nützlichkeit ist: 1. das Vorhandensein eines menschlichen Bedürfnisses, 2. Eigenschaften des Dings, durch die es ursächlich zur Befriedigung dieses Bedürfnisses beitragen kann. Wenn der Mensch diesen Kausalzusammenhang erkennt und es in der Macht hat, solche Dinge zur Befriedigung seiner Bedürfnisse heranzuziehen, nennen wir diese Nützlichkeiten Güter. Damit ein Ding daher ein Gut ist, müssen zusätzlich zwei weitere Bedingungen eintreten: 3. Die Erkenntnis dieses Kausal-Zusammenhangs durch den Menschen, und 4. „Die Verfügung über dies Ding, so zwar, dass es zur Befriedigung jenes Bedürfnisses tatsächlich herangezogen werden kann.“

Die Güterqualität ist eine Beziehung, in welcher sich gewisse Dinge zu den Menschen befinden.

Nur wenn alle vier Voraussetzungen erfüllt sind, spricht man von einem Gut. Sofern auch nur eine einzige wegfällt, verliert das Ding seine Güterqualität (siehe „Verlust der Güterqualität“ unten). Die Güterqualität ist somit „nichts den Gütern Anhaftendes, das ist keine Eigenschaft derselben“. Vielmehr ist es eine Beziehung, „in welcher sich gewisse Dinge zu den Menschen befinden, eine Beziehung, mit deren Verschwinden dieselben selbstverständlich auch aufhören, Güter zu sein.“ Ohne menschliche Bedürfnisse gebe es keine Güter, denn die Güterqualität eines Dinges ist „dadurch bedingt, dass es in ursächlichen Zusammenhang mit der Befriedigung gesetzt werden kann.“

Güter können Sachgüter (darunter auch Naturkräfte) sein, oder nützliche Handlungen, sofern sie zur Bedürfnisbefriedigung beitragen. Die wichtigsten nützlichen Handlungen sind in der Regel Arbeitsleistungen.

Neben den wahren Gütern gibt es auch eingebildete, und zwar dann, wenn der Mensch entweder einem Ding irrtümlich Güter-Eigenschaften zur Befriedigung seiner Bedürfnisse zuschreibt (z.B. Amulette, Wünschelruten, Liebestränke), oder Bedürfnisse voraussetzt, die er gar nicht hat (z.B. Medikamente für nicht vorhandene Krankheiten). „Je höher die Kultur bei einem Volke steigt, und je tiefer die Menschen das wahre Wesen der Dinge und ihrer eigenen Natur erforschen, umso größer wird die Zahl der wahren, umso geringer, wie begreiflich, die Zahl der eingebildeten Güter“.

Güter erster, zweiter, dritter… Ordnung und ihr kausaler Zusammenhang

Güter, die nicht nur in einer ursächlichen, sondern auch in einer unmittelbaren Beziehung zur Befriedigung unserer Bedürfnisse stehen, sind Güter erster Ordnung. Das gilt etwa für sämtliche Nahrungsmittel, Getränke, Kleidungsstücke, Schmuckgegenstände etc. Zur Befriedigung unserer Bedürfnisse müssen wir über solche Güter verfügen. Davon hängt unsere Wohlfahrt ab.

Es gibt aber auch Güter zweiter, dritter, vierter und weiterer Ordnung, die nicht in einem unmittelbaren, sondern nur mittelbaren Kausal-Zusammenhang zu unserer Bedürfnisbefriedigung stehen. So ist z.B. das Brot ein Gut erster Ordnung, denn es befriedigt unmittelbar unsere Nahrungsbedürfnisse. Mehl, Brennstoffe, Salz, sowie Vorrichtungen und Werkzeuge zur Broterzeugung und die erforderlichen Arbeitsleistungen sind Güter zweiter Ordnung, die zur Hervorbringung des Brots dienen. Der Kreis der Güter ist damit aber nicht abgeschlossen. Getreidemühlen, Weizen, Roggen, Arbeitsleistungen zur Erzeugung von Mehl u.a. sind Güter dritter Ordnung. Getreideäcker samt den für ihre Bearbeitung nötigen Werkzeugen und Arbeitsleistungen sind wiederum Güter vierter Ordnung usw.

Allen Gütern – ob erster oder höherer Ordnung – kommt die Güterqualität gleichermaßen zu, „weil die Voraussetzung der Güterqualität wohl der Kausal-Zusammenhang, nicht aber notwendigerweise der unvermittelte Kausalnexus zwischen den Dingen und der Befriedigung menschlicher Bedürfnisse ist.“ Der Unterschied besteht nur in der Nähe bzw. Ferne zur Befriedigung unserer Bedürfnisse. Sofern wir etwa über alle Güter dritter Ordnung verfügen, „so haben wir es in unserer Macht, dieselben in die entsprechenden Güter zweiter Ordnung, diese aber wieder in die entsprechenden Güter erster Ordnung umzugestalten“. Deshalb dienen auch Güter dritter Ordnung indirekt der Befriedigung unserer Bedürfnisse. Somit stehen alle Güter in einer ursächlichen Beziehung zu unserer Bedürfnisbefriedigung, manche in einer näheren, andere in einer entfernteren Beziehung.

Komplementäre Güter und Verlust der Güterqualität

Güter höherer Ordnung können aber ihre Güterqualität verlieren, sofern wir nicht über die übrigen Güter höherer Ordnungen – die komplementären Güter – verfügen. Ohne diese können wir sie nicht mehr zur Befriedigung unserer Bedürfnisse heranziehen. So würden etwa die genannten Güter zweiter Ordnung zur Herstellung eines Brotes nicht ausreichen, sofern wir über kein Wasser und keine „Feuerung“ (technische Vorrichtung zur Wärmeerzeugung) verfügen. Die Güter zweiter Ordnung erfüllen dann nicht länger die vierte Voraussetzung der Güterqualität (siehe oben).

Güter dritter, vierter und noch höherer Ordnung verlieren auch ihre Güterqualität, wenn uns die komplementären Güter der nächst niederen Ordnung fehlen, nicht nur jene derselben Ordnung. Deshalb verlieren auch Güter dritter Ordnung ihre Güterqualität, wenn wir nicht über die entsprechenden Komplementärgüter zweiter Ordnung verfügen, ohne die wir die aus den Gütern dritter Ordnung erstellten Güter zweiter Ordnung auch nicht in Güter erster Ordnung umgestalten können. Kurz gesagt: Güter höherer Ordnung verlieren ihre Güterqualität, sobald wir nicht mehr über alle nötigen komplementären Güter verfügen, um aus ihnen Güter erster Ordnung zu machen.

In hochentwickelten Wirtschaften ist sich ein Produzent oft gar nicht bewusst, dass die Güterqualität seiner Produkte davon abhängt, dass andere mit ihm durch Verkehr verbundene Personen für die komplementären Güter rechtzeitig vorsorgen werden.

Das geschieht immer wieder: Als beispielsweise im Jahr 1862 durch den amerikanischen Bürgerkrieg die Lieferung von Baumwolle nach Europa unterbrochen wurde, „ging auch die Güterqualität tausend anderer Güter, deren komplementäres Gut jene Baumwolle war, verloren.“ Das galt etwa für die Arbeitsleistungen, obwohl sie die gleichen geblieben waren. „Umgekehrt verlieren nicht selten Güter ihre Güterqualität dadurch, dass die nötigen Arbeitsleistungen … der Verfügung des Menschen nicht unterworfen sind.“ Das kann etwa in dünn besiedelten Gegenden der Bedarf an Erntearbeiten innerhalb eines kurzen Zeitraumes so hoch sein, dass die verfügbaren Arbeitsleitungen nicht ausreichen. In der Folge verderben große Mengen an Getreide.

Anders als in der Subsistenzwirtschaft ist sich ein Produzent in hochentwickelten Wirtschaften oft gar nicht bewusst, dass die Güterqualität seiner Produkte davon abhängt, „dass andere mit ihm durch Verkehr verbundene Personen für die komplementären Güter rechtzeitig vorsorgen werden.“ Die verschiedenen komplementären Güter höherer Ordnung befinden sich nämlich „in den Händen verschiedener Personen“.

Aus der ersten Voraussetzung des Güter-Seins folgt darüber hinaus: Wenn ein Bedürfnis, zu deren Befriedigung ein Gut erster Ordnung dient, entfällt ohne durch ein neues Bedürfnis ersetzt zu werden, verliert dieses Gut sofort seine Güterqualität, und mit ihm alle entsprechenden Güter höherer Ordnung. Da jegliche Güterqualität „in ursächlichem Zusammenhang mit der Befriedigung menschlicher Bedürfnisse gesetzt werden kann“, ist auch klar, „dass mit den entsprechenden Bedürfnissen die ganze Grundlage jenes Verhältnisses wegfällt, das … die Güterqualität der Dinge begründet.“

Aber: Ein Gut, das seine Güterqualität in Hinblick auf die Befriedigung eines bestimmten Bedürfnisses verliert, kann gleichzeitig in Hinblick auf die Befriedigung eines anderen Bedürfnisses seine Güterqualität behalten. Güter erster und höherer Ordnung dienen nämlich oft der Befriedigung zahlreicher Bedürfnisse. So kann ein Ding etwa in Hinblick auf ein konkretes Bedürfnis seine Güterqualität verlieren, aber gleichzeitig sehr wohl noch in Hinsicht auf ein anderes Bedürfnis ein Gut erster, zweiter oder höherer Ordnung sein.

Wichtiger als die Ordnungsziffern zwischen den Gütern erster und höherer Ordnung ist der „Einblick in den Kausal-Zusammenhang“, den wir durch diese Darstellung und Gliederung gewinnen. So wie in anderen Wissenschaften entsteht auch hier der Fortschritt, „wenn wir die Objekte unserer wissenschaftlichen Beobachtung nicht mehr lediglich als vereinzelte Erscheinungen betrachten, sondern uns bemühen werden, den Kausal-Zusammenhang derselben zu erforschen und die Gesetze, unter welchen sie stehen.“ Nur deshalb ist es wichtig, „die Stelle kennen zu lernen, welches jedes derselben [Anm.: Güter] in dem Kausalnexus der Güter einnimmt.“

Zeit und Grad an Unsicherheit

Der Prozess, durch den Güter höherer Ordnung zu Gütern erster Ordnung umgestaltet werden, findet in der Zeit statt. Die Zeiträume zwischen den einzelnen Phasen können kürzer oder länger sein. Für die Hervorbringung eines Eichenwaldes wird man an die 100 Jahre bis zur Fertigstellung warten müssen, andere Güter wie Getränke und Speisen hat man oft in wenigen Augenblicken zur Verfügung. Egal wir kurz die Zeiträume dazwischen auch sind, völlig verschwinden werden sie nie.

Der Zeit-Faktor schlägt sich etwa in dem Grad an Sicherheit bzw. Unsicherheit betreffend die Qualität und Quantität des jeweiligen hergestellten Produkts (d.i. Guts erster Ordnung) nieder. Wer über Güter erster Ordnung verfügt, ist sich klarerweise ihrer Qualität und Quantität sicher. „Wer indes über jene Güter nur mittelbar, das ist durch den Besitz der entsprechenden Güter höherer Ordnung verfügt, kann nicht mit gleicher Sicherheit die Quantität und Qualität der Güter niederer Ordnung bestimmen, über welche er am Schluss des Prozesses der Gütererzeugung zu verfügen in der Lage sein wird.“

Der Grad an Unsicherheit ist unterschiedlich hoch. Ein mit den nötigen Werkzeugen und Materialien ausgestatteter Schuster wird Qualität und Quantität der von ihm hergestellten Produkte (der Schuhe) mit weit höherer Sicherheit abschätzen können als ein Besteller eines Rapsfeldes, oder gar als ein Jäger oder Perlfischer. Der Grund für den unterschiedlichen Grad an Sicherheit liegt „in der eigentümlichen Stellung des Menschen zu jenem Kausal-Prozess, den wir die Gütererzeugung nennen.“ Es geht 1) um unserer Kenntnis all jener Elemente, die auf den Prozess der Gütererzeugung einwirken, sowie 2) um unsere Verfügung über dieselben. Je geringer 1) und/oder 2) sind, desto höher die Unsicherheit.

Mit der Zahl an Elementen im Produktionsprozess, die wir kennen und über die wir verfügen, steigt auch die Zahl an Gütern und damit die Sicherheit bezüglich der Quantität und Qualität des hergestellten Produkts.

So verdanken wir z.B. Forschungen im Bereich der Agrochemie neue Einsichten in den Einfluss von Erdarten, Bodensalzen und Düngestoffe auf das Wachstum verschiedener Pflanzen. Dadurch ist die Unsicherheit beim Züchten von Pflanzen gesunken, weil es der Mensch selbst in der Hand hat, über diese Elemente Einfluss auf Qualität und Quantität der Endprodukte zu nehmen. Andererseits wissen Landwirte in der Regel sehr gut über die Folgen von Witterungsverhältnissen auf das Wachstum ihrer Pflanzen Bescheid, nur steht es nicht in ihrer Macht, diese zu beeinflussen. Mit der Zahl an Elementen im Produktionsprozess, die wir kennen und über die wir verfügen, steigt auch die Zahl an Gütern. Daraus folgt: Umso mehr Elemente im Prozess der Güterentstehung keine Güterqualität besitzen, „umso größer ist auch die menschliche Unsicherheit über die Qualität und Quantität des Produktes des ganzen Kausal-Prozesses“.

Die Hauptursache des wachsenden Wohlstands ist nicht die Arbeitsteilung

Adam Smith zufolge ist die fortschreitende Arbeitsteilung der „Angelpunkt des wirtschaftlichen Fortschritts“. Sie habe nämlich die Wirksamkeit der Arbeit am meisten erhöht und so den Wohlstand in alle sozialen Schichten gebracht. Näher besehen ist die Arbeitsteilung freilich weder die einzige, noch die wichtigste Ursache des ökonomischen Fortschritts.

Wenn etwa ein australischer Volksstamm die Arbeit seiner Mitglieder (Jagen, Fischen, Pflanzen sammeln, Kochen, Kleidung herstellen) zweckmäßiger aufteilt, kann er dadurch bestenfalls mit geringerer Anstrengung die bisherige Arbeitswirkung erzielen. Nur den Erfolg wirtschaftlich fortgeschrittener Völker wird er dennoch nicht erreichen. Solange sich der Stamm mit dem „Aufsammeln der vorhandenen Güter niederer Ordnung“ begnügt, werden dadurch die verfügbaren Genussmittel nur in geringem Umfang vermehrt.

Das ändert sich erst, wenn Völker zur Befriedigung ihrer Bedürfnisse auch Güter dritter, vierter und zunehmend höherer Ordnung heranziehen; etwa wenn der Jäger das Wild nicht mehr mit der Keule tötet, sondern mit Bogen und Netz, und noch später zur Viehzucht wechselt. Der Grund: Solange man sich auf das Aufsammeln Güter niederster Ordnung beschränkt, nimmt man auf die Umstände der Entstehung solcher Güter keinen Einfluss. Diese Umstände sind dann zufällig, geschehen unabhängig von den Bedürfnissen der Menschen und sind noch keine Güter. Erst wenn die Menschen „die Dinge erforschen, durch deren Verbindung im Kausalprozess die Genussmittel entstehen und dieselben in ihre Gewalt nehmen“, wird die Entstehung dieser Genussmittel [Anm.: Konsumgüter] zu einem „Prozess, der in der Gewalt der Menschen ist und sich … nach menschlichen Zwecken regelt.“ Die Quantität der erzeugten Genussmittel hängt nun nicht mehr von zufälligen Umständen, sondern primär von der Einsicht in die Kausalzusammenhänge sowie von der Macht über sie ab.

Mit wachsendem Fortschritt werden die Güterarten vielfältiger, was sich auch in der immer notwendiger und ökonomischer werdenden Arbeitsteilung niederschlägt. Diese ist demnach ein Faktor dieses Prozesses, aber nicht die Hauptursache des wachsenden Wohlstands.

Güterbesitz – Spiegelbild unserer Bedürfnisse

Die Befriedigung eines einzigen Bedürfnisses reicht nicht, um unser Leben und unsere Wohlfahrt zu erhalten. Diesem Gesamtzweck dienen die Güter nur gemeinsam, weshalb sie „in ihrer Güterqualität gegenseitig bedingt sind“. Die Gesamtheit aller einem Individuum verfügbaren Güter nennen wir seinen „Güterbesitz“. Dieser stellt sich uns „nicht als eine willkürlich zusammengefügte Quantität von Gütern, sondern als das Spiegelbild seiner Bedürfnisse, als ein gegliedertes Ganzes dar“.

In einer reinen Subsistenzwirtschaft („isolierten Wirtschaft“) tritt dem Einzelnen diese Zusammengehörigkeit der ihm verfügbaren Güter sofort entgegen. In einer höher entwickelten Volkswirtschaft mit mehr Güterarten und mehr Arbeitsteilung ist dieser Zusammenhang für den Einzelnen nicht mehr so klar erfassbar. Er wird aber sehr wohl deutlich, sobald man die Volkswirtschaft als Ganze betrachtet.

Kurz-Zusammenfassung:

  • Damit ein Ding ein Gut ist, müssen vier Voraussetzungen erfüllt sein: 1. das Vorhandensein eines Bedürfnisses, 2. Eigenschaften des Dings, die zur Befriedigung dieses Bedürfnisses ursächlich beitragen können; 3. die Erkenntnis dieses Kausalzusammenhangs durch den Menschen; 4. die Verfügung des Menschen über dieses Ding zur Bedürfnisbefriedigung. Kurz: Ein Ding ist ein Gut, insofern es jemand besitzt, wissend, dass es eines seiner Bedürfnisse befriedigt.
  • Die Güterqualität ist nichts den Dingen Anhaftendes, sondern eine Beziehung bestimmter Dinge zu den menschlichen Bedürfnissen. Ohne menschliche Bedürfnisse gebe es keine Güter.
  • Güter können Sachgüter (darunter auch Naturkräfte) sein, oder nützliche Handlungen (meistens Arbeitsleistungen).
  • Ein Gut erster Ordnung (Konsumgut) befriedigt ein Bedürfnis unmittelbar.
  • Es gibt auch Güter zweiter, dritter und weiterer Ordnung. Solche Güter höherer Ordnung befriedigen ebenfalls ein Bedürfnis, allerdings nur mittelbar, indem aus ihnen (z.B. Mehl, Salz etc.) ein Gut erster Ordnung (z.B. Brot) hergestellt werden kann.
  • Güter höherer Ordnung verlieren ihre Güterqualität, sobald wir nicht mehr über die übrigen Güter höherer Ordnung – die komplementären Güter – verfügen, ohne die das entsprechende Gut erster Ordnung nicht hergestellt und somit das jeweilige Bedürfnis nicht mehr befriedigt werden kann.
  • Ein Gut kann unterschiedliche Bedürfnisse befriedigen und daher z.B. in einer Hinsicht ein Gut erster, in anderer ein Gut fünfter Ordnung sein. (Wichtig ist es für die Wissenschaft in jedem Fall, den Kausal-Zusammenhang der Güter zu erkennen.)
  • Der Produktionsprozess von Gütern höherer Ordnung hin zu jenen erster Ordnung findet in der Zeit statt. Dieser Zeit-Faktor schlägt sich in der Sicherheit bzw. Unsicherheit bezüglich der Quantität und Qualität der hergestellten Produkte nieder: Bei Gütern erster Ordnung ist man sich ihrer Quantität und Qualität klarerweise sicher, bei Gütern höherer Ordnung nicht im gleichen Ausmaß.
  • Mit der Zahl an Elementen im Produktionsprozess, die wir kennen und über die wir verfügen, steigt auch die Zahl an Gütern höherer Ordnung und damit die Sicherheit bezüglich der Quantität und Qualität der aus ihnen hergestellten Güter erster Ordnung. Mit anderen Worten: Umso mehr Elemente im Prozess der Güterentstehung keine Güterqualität besitzen, umso mehr zufällige Bedingungen, die nicht der Kontrolle des Menschen unterliegen, bestimmten den Produktionsprozess und „umso größer ist auch die menschliche Unsicherheit über die Qualität und Quantität des Produktes des ganzen Kausal-Prozesses“.
  • Je mehr die Menschen die Dinge erforschen, desto mehr bringen sie diese unter ihre Gewalt. Mit wachsendem Fortschritt werden die Güterarten daher immer vielfältiger, was sich in der immer notwendiger und ökonomischer werdenden Arbeitsteilung niederschlägt. Diese ist somit ein Faktor dieses Prozesses, aber nicht – wie Adam Smith angenommen hat – Hauptursache des wachsenden Wohlstands.
  • Die Gesamtheit aller einem Individuum verfügbaren Güter nennen wir seinen „Güterbesitz“. Dieser stellt sich uns „nicht als eine willkürlich zusammengefügte Quantität von Gütern, sondern als das Spiegelbild seiner Bedürfnisse, als ein gegliedertes Ganzes dar“.

 

Carl Mengers „Grundsätze“ wurden erstmals 1871 beim Braumüller Verlag veröffentlicht. Später erschienen sie als erster Band von Mengers „Gesammelten Werken“ beim Mohr Siebeck Verlag. Heute ist Mengers Erstlingswerk im Internet frei zugänglich, unter anderem beim Liberty Fund und beim Mises Institute.

Melden Sie sich jetzt für unseren Newsletter an.

So halten wir Sie über Neuigkeiten auf unserer Website und die Aktivitäten des Austrian Institute auf dem Laufenden.

Jetzt anmelden

Send this to a friend