Industrie 4.0: Diesmal ist alles anders  

Der technologische Fortschritt nimmt mittlerweile Züge an, die bisherige Strategien der persönlichen Existenzsicherung als untauglich erscheinen lassen. Was soll zum Beispiel die als Ausweg vielgelobte Weiterbildung, wenn die Technik dank künstlicher Intelligenz, buchstäblich alles besser erledigen kann? Vor mir liegt ein wegweisender Artikel von Gideon Lewis-Kraus im New York Times Magazine (14. Dezember 2016), in dem beschrieben wird, wie perfekt die neue Übersetzungsmaschine von Google funktioniert. Es ist noch eine Frage der Zeit, dass wir über fehlerfreie, unserem individuellen Sprachverständnis angepasste Simultanübersetzungen während gemeinsamen Besprechungen mit Chinesen, Türken und Finnen verfügen werden. Fremdsprachenkenntnisse – wozu noch? Sprachlehrer – wofür? Schulen? Universitäten? Ich befasse mich in diesem Beitrag mit den vielfältigen Auswirkungen der neuen technologischen Möglichkeiten, die im Begriff „Industrie 4.0“ gebündelt werden, und durch die meines Erachtens alles anders wird.

Eine geballte Ladung umwälzender Innovationen

Technische Entwicklungsschübe, es ist zuzugeben, sind nie lediglich monokausal. Es war nicht die Dampfmaschine oder der Transmissionsriemen oder die neue Gießereitechnik oder die industrielle Herstellbarkeit von Ammoniak oder die Glühbirne oder das Auto. Vielmehr kam auch früher immer eine größere Zahl von wichtigeren oder unwichtigeren Innovationen zusammen. Dennoch behaupte ich, dass es eine derartige Vielfalt von umwälzenden Entwicklungsschritten, wie sie sich heute präsentieren, oder salopp gesagt, eine derartig geballte Ladung, noch nie gegeben hat. «Industrie 4.0», wie der Entwicklungsschub auch genannt wird, setzt sich aus mindestens sechs Teilaspekten zusammen, nämlich

  • «Smart Data»: Dabei geht es um die intelligente Nutzung des Heuhaufens von generell festgehaltenen Daten zur Auffindung der relevanten Stecknadel. Smart Data schafft die Brücke zwischen der sozusagen wahllosen Totalspeicherung aller möglichen Daten und einer gezielten Verwendung.[1]
  • «Sharing Economy»: Hohe und kostengünstige Rechenkapazitäten, eine quasi kostenlose Datenspeicherung und ebenso günstige wie effektive Kommunikationsmöglichkeiten erlauben die Bewirtschaftung eines Netzwerks, das eine bei weitem effizientere Nutzung von dezentral verstreuten Kapitalgütern erlaubt. Bis anhin sind es vor allem Wohnungen und Autos, die durch Plattformen wie Airbnb und Uber einer solchen erhöhten Nutzung zugeführt werden.[2]
  • «Blockchain-Technologie»: Sie erlaubt, Eigentumsverhältnisse ohne die Hilfestellung einer dazwischengeschalteten Institution oder Kette von Institutionen zweifelsfrei zu regeln. In rechtsfreien bzw. unrechtsaffinen Verhältnissen kann quasi zum Nulltarif Ordnung geschaffen werden.[3]
  • Selbstfahrende Lastwagen und Autos: Dank Satellitenortung, genauster Vermessung unseres Planeten durch Google und andere Landkartenanbieter, hochentwickelter Sensortechnik und effektiven Schnellrechnern in den Fahrzeugen wäre es bereits heute möglich, den Menschen als Piloten zu ersetzen und einen statistisch sichereren Verkehr zu ermöglichen. Die vorhandene Verkehrsinfrastruktur ließe sich mit selbstfahrenden Autos besser nutzen und wäre möglicherweise hinreichend, selbst für zusätzliches Verkehrsaufkommen (das aber infolge der Sharing Economy unwahrscheinlicher wird). Noch gibt es ernsthafte Diskussionen um das Verhalten der Algorithmen in verkehrstechnischen Extremsituationen.
  • Robotik: Für die Erledigung bestimmter Funktionen werden dem Menschen ähnliche Maschinen mit eigener Entscheidungsfähigkeit eingesetzt. Für Arbeiten, die wir nicht oder nicht mehr erledigen können oder wollen. Das Bearbeitungszentrum in der Industrie entspricht in vielen Zügen bereits einem weit entwickelten Roboter; mit dem Internet of Things, das heißt der eindeutigen und abrufbaren Zuordnung von Informationen zu Gegenständen wie Werkzeugen und Maschinenbestandteilen, erlangt der Einsatz von Bearbeitungszentren völlig neue Dimensionen, zum Beispiel bezüglich Prozesssteuerung. Ähnlich wird es sich außerhalb der industriell geprägten Welt verhalten.
  • Dies alles beruht auf einer bisher von der Allgemeinheit noch verdrängten, weiteren technologischen Entwicklung in Richtung künstlicher Intelligenz, «Artificial Intelligence (A. I.)», welche Computer zu lernenden Entitäten macht. Dank A.I. wird Trial and Error, eine der herausragenden menschlichen Fähigkeiten, auf diese Weise der Maschine erschlossen.

Diese lediglich phänomenologische Aufzählung ist keinesfalls abschließend. Aber eines zeigt sie gewiss auf: Der neuerliche Entwicklungsschub lässt sozusagen keinen Stein auf dem andern, greift in praktisch alle wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bereiche ein und wird keinen einzigen Beruf unbehelligt lassen. Es geht nun nicht mehr «nur» um den Ersatz oder die Extension menschlicher Muskelkraft oder um die Unterstützung geistiger Fähigkeiten des Menschen zum Beispiel beim Rechnen und Zeichnen, sondern um die Konkurrenzierung des Menschen in seiner physischen und intellektuellen Gesamtheit. Das ist gravierend. Und noch gravierender ist der Umstand, dass all dies in kürzester Zeit auf uns zukommt. Die Frage lautet also: Ist diesmal alles anders? Ich vermute, ja. Denn die Ballung der Ladung an Neuerungen ist präzedenzlos, die Geschwindigkeit ihres Eintreffens atemberaubend, unaufhaltbar. Ohne Verwerfungen wird dies alles nicht erfolgen.

Mikroökonomische Betrachtungsweise des unaufhaltsamen Strukturwandels

Die Grundlage jeglicher mikroökonomischer Überlegungen bildet die Theorie der Eigentumsrechte, mit welcher das Verhältnis von Personen zu Sachen und der gesellschaftliche Umgang mit diesem Personen-Sach-Verhältnis beschrieben wird. Die Eigentumstheorie besagt, dass erstens das Verhältnis von Personen zu Sachen prekär ist, das heißt von Knappheiten gekennzeichnet und somit mit Kosten verbunden ist, und zweitens, dass der gesellschaftliche Umgang mit Eigentum Informations- und Transaktionskosten nach sich zieht. Die Verringerung der Kosten für die Definition von Eigentum und die Verringerung der Informations- und Transaktionskosten gehören zu den wichtigsten Treibern jeglicher wirtschaftlichen Tätigkeit und begründeten die Entstehung von Institutionen wie Grundbuch, Banken, Notenbanken, Börsen und dergleichen. Gleichzeitig sind sie die Quelle der wesentlichsten Effizienzverluste, das heißt des Ressourcenverschleißes im mikroökonomischen Sinn. Industrie 4.0 greift durch die Blockchain-Technologie und durch die mit der intelligenten Verknüpfung mittels Plattformen diesen Bereich frontal an, indem die Allokationsmöglichkeiten dramatisch verbessert werden. Kam durch das Internet noch lediglich ein Teil des Zwischenhandels unter die Räder, werden nun bisher für völlig selbstverständlich gehaltene Institutionen, in gewissem Sinne ja auch «Zwischenhändler», angegriffen.

Die Höhe der Informations- und Transaktionskosten ist gemäß einer weiteren, wichtigen Theorie innerhalb der Mikroökonomie, der Firmentheorie, entscheidend für die Frage, inwieweit Aktivitäten innerhalb von Unternehmungen koordiniert und kontrolliert werden oder ein Zusammenspiel unabhängiger Entitäten die Produktionsprozesse leitet. Je tiefer die Informations- und Transaktionskosten ausfallen, desto eher rechtfertigt sich die unternehmensexterne Produktion. Am Ende steht eine Perlenkette von «Ich-AGs», wie das Airbnb und Uber vorexerziert haben. Vermutlich stehen wir erst am Anfang einer weitreichenden Entwicklung, bei der intelligent gesteuerte Plattformen die Aufgabe von Koordination und Kontrolle von Prozessen übernehmen, während «Ich-AGs» und andersartige Kleinfirmen das Sach- und Humankapital beisteuern. Die Firmenlandschaft wird auf diese Weise umgepflügt werden, und es ist keineswegs klar, dass die von Anlegern so heiß geliebten dividendenkalbenden Großunternehmungen im Zuge dieser Entwicklungen überleben werden. Aber nicht nur das: Die enorm reduzierten Informations- und Transaktionskosten führen ja direkt zu einer bedeutend besseren Nutzung von Kapitalgütern wie im Beispiel Uber von Autos. Das wird über kurz oder lang den Automobilbau beeinflussen, zumal der Zeitgeist und die Sharing Economy zumindest der Jugend den privaten Autobesitz ohnehin obsolet erscheinen lassen.

Noch sind die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Folgen der dramatischen Reduktion von Informations- und Transaktionskosten nicht wirklich durchgedacht. Nachfrage und Angebot treffen sich durch diese Entwicklung weit rascher und unproblematischer als je zuvor. Das bedeutet, dass Marktmechaniken stattfinden können, wo es sie bis anhin nie gegeben hat. Die von der Technologie beschleunigte unsichtbare Hand schafft Möglichkeiten zur perfekten Preisdiskriminierung und zur höchst granularen Angebots- und Nachfragesteuerung, die in gewissem Sinne planwirtschaftlichen Vorstellungen nahekommen könnten.

Arbeitserledigung durch Maschinen anstatt durch Menschen: Weshalb in aller Welt wollen wir das eigentlich? Die Mikroökonomie hat darauf nur eine, vielleicht etwas unbefriedigende Antwort: Weil die Präferenzen der Menschen offenbar so geartet sind und daraus eine entsprechende Nachfrage resultiert. Zwar gibt es Maßschneiderei, aber wir entscheiden uns überwiegend  für Konfektion. Zwar gibt es noch Bäckereien mit handgefertigten Croissants und Brötchen, aber zur Hauptsache wird industrielles Brot gegessen. Es gibt heute noch von Hand operierende Chirurgen und es wird sie wie die Maßschneider auch weiterhin geben, die Zukunft aber gehört den zurechnungsfähigeren Robotern. Kümmert sich jemand in dieser durch die condition humaine getriebenen Nachfrage um den Ausfall von Schneidern, Bäckern und Chirurgen, die das Zeug zur Maßarbeit nicht haben? Mikroökonomische Antwort: Nein. Die Mikroökonomie hat für die gesellschaftspolitisch und makroökonomisch sehr relevanten Veränderungen wie Job-Verluste und das Ende ganzer Berufsstände nur eine lapidarische Antwort: Es handelt sich um Externalitäten.

Vom Garbenbinder zum Disc-Jockey: Das Entstehen neuer Bedürfnisse und Präferenzen

Die Geschichte der Entwicklungsschübe der Menschheit zeigt nun aber, dass zwar immer bisherige Jobs und Berufe zumindest teilweise obsolet wurden, ja in den Bereich eigentlicher Freizeitbeschäftigungen wechselten – man denke etwa an die einstmals existenziell notwendige Jagd –, im übrigen aber in großem Stile neue, zusätzliche Beschäftigungsmöglichkeiten ungeahnten Maßes geschaffen wurden. Prof. Horace W. Brock vom Think Tank «Strategic Economic Decisions», führte mir kürzlich vor, wie viele Menschen früher, in der amerikanischen Landwirtschaft zum Bündeln von Getreidegarben gebraucht wurden: Millionen. Der ungesunde, tiefbezahlte Beruf wurde ersatzlos durch den Traktor und die für den Getreidebau erfundenen Peripheriegeräte eliminiert. Im Jahr 1900 gab es jedoch noch keine Disc-Jockeys; heutzutage sind es in den USA hunderttausende, zum Teil hochbezahlte Leute, neben allem Servicepersonal, den Technikern, der im Hintergrund wirkenden Musikindustrie und so weiter. Es könnte sein, dass das Diskothekengeschäft das Bündeln von Getreide sogar beschäftigungsmäßig überflügelt hat. Was die Wertschöpfung betrifft  ganz sicher.

Was lehrt uns das Beispiel? Wohlstandsgewinn, das Resultat eines Entwicklungsschubs, verändert die Präferenzen und führt zu andersartiger, ungeahnter Nachfrage. Die auf den Feldern des mittleren Westens hart arbeitenden Menschen konnten sich nicht in den wildesten Träumen eine Diskothek vorstellen und schon gar nicht, dass sich damit das Leben verdienen lässt. Vermutlich hätten sie das für frivol bis unanständig gehalten. Auch unsere Sicht auf das, was wir als Arbeit bezeichnen, ist stark von moralischen Gesichtspunkten gehabter Gesellschaftsmodelle geprägt: Von der Stirne heiß rinnen muss der Schweiß, alles andere ist unseriös. Einmal abgesehen davon, dass auch bei Disc-Jockeys der Schweiß nicht allzu selten von der Stirne rinnt, ist nicht einzusehen, weshalb Arbeit zwingend mit der Idee von Mühsal verbunden und mithin negativ konnotiert sein soll. Genauso ist nicht einzusehen, weshalb es seriösere und weniger seriöse Präferenzen geben soll, solange die durch ihre Wahrnehmung entstehenden Externalitäten nicht anderen Menschen Schaden zufügen. Präferenzen seien, so die Theorie der Mikroökonomie, axiomatisch nicht vergleichbar. Folglich dürfte man sie auch nicht moralisch werten.

Dringend notwendiger Befreiungsschlag

Der Entwicklungsschub der Industrie 4.0 wird kaum einen Stein auf dem andern belassen und an so zusagen jedem Berufsbild rütteln, ja, ganze Berufsstände wie weiland die Garbenbinder in den USA, eliminieren. Relativ bequeme, saubere Jobs werden bei Industrie 4.0 bei weitem eher behelligt als jene, die von den früheren Entwicklungsschüben bereits einmal durchgekämmt worden sind oder jene, bei welchen eine Automation in jeder Hinsicht kaum Sinn macht. Meine Friseurin wurde auf diese Weise in ihrer Existenz auch für die weitere Zukunft bestärkt. Es könnte durchaus sein, dass Berufe mit analoger Verrichtung von Arbeit eine Renaissance erleben, weil relativ wenige Menschen dazu überhaupt noch befähigt sind und weil sich die Präferenzen nach so viel Digitalisierung auch einmal in jene Richtung entwickeln könnten.

In der Veränderung, in der Weiterentwicklung von Präferenzen, in der Kreierung neuer Präferenzen liegt meines Erachtens die einzige Chance, wie sinnvoll mit dem Entwicklungsschub Industrie 4.0 gesellschaftspolitisch umgegangen werden kann. Nicht Weiterbildung – zwingend aufdockend, der Name sagt es ja, auf Bestehendem – kann die Lösung sein, sondern die möglichst rasche und freie Zulassung von Neuem, Ungeahntem, noch nicht Erfundenem, noch nicht Erdachtem. Das muss rasch erfolgen, denn der Entwicklungsschub wartet nicht, und die Strukturveränderungen werden erfolgen.

Wie entstehen neue Präferenzen? Indem man ihre Entstehung zulässt. In den vergangenen zwei Jahrzehnten herrschte in den meisten Berufsgattungen, zumeist unter dem Titel des wohlgemeinten Konsumentenschutzes, eine Phase der Re-Regulierung, nachdem die späten Achtzigerjahre des vergangenen Jahrhunderts noch für eine massive Deregulierung gesorgt hatten. Kaum ein Berufszweig in unserem Lande, der (unter maßgeblicher Mithilfe der einschlägigen Berufsverbände, die damit ihre Notwendigkeit begründen und ihre Existenz sichern) nicht die Zulassungskriterien für die Berufsausübung verschärft hätte. Die vielgelobte Weiterbildung wurde zum Instrument der Kartellerhaltung missbraucht. In einem solchen Umfeld haben es neue, zarte Pflänzlein schwer, Wurzeln zu bilden. Bereits Joseph Schumpeter bezeichnete die Bürokratisierung als Feind der Innovation und des Unternehmertums schlechthin. Es gilt auch, mit moralisch bedingten Denk- und Handlungsverboten aufzuräumen. Spiel und Wette, seit je zu den wesentlichen Präferenzen der Menschen gehörend, sind Chancen für die künftige Beschäftigung eines Menschen, der nicht mehr für sein nacktes Überleben kämpfen muss, genauso wie die gesellschaftlich besser akzeptierte Kultur.

Doch nicht nur das. Die Bedienung neuer oder modifizierter Präferenzen muss auch sinnvoll eingebettet werden in den gesellschaftlichen Gesamtzusammenhang. Man mag die Anstrengungen des Taxigewerbes gegen die Konkurrenz von Uber und jene der Hotellerie gegen Airbnb verstehen. Aber die Quasikriminalisierung neuer Geschäftsmodelle kann kein Ausweg sein. Fiskus und Sozialwerke werden sich der Hinwendung zur «Ich-AG» und zu Betätigungsmodellen zwischen Freiwilligenarbeit und Job annehmen müssen. Wo Institutionen obsolet werden, weil die Technologie sie überflüssig macht, muss man sie absterben lassen. Die schöpferische Zerstörung nach Schumpeter ist schon im rein wirtschaftlichen Bereich ein prekärer Prozess, geschweige denn, wenn es um halb- oder ganzstaatliche Einrichtungen geht. Schulen, Universitäten, Spitäler, hierzulande zumeist Staatsdomäne, dürften nicht verschont bleiben.

Es wird notwendig sein, den Arbeitsmarkt so frei wie möglich zu gestalten, um eine neue Gleichgewichtsbildung und die Abdeckung neuer Präferenzen so rasch wie möglich zuzulassen. Mindestlöhne, aber auch die Vorstellung des Statuserhalts, haben in einem so massiven Strukturwandel, wie er uns bevorsteht, keinen Platz.

Die Alternative: Schlaraffenland mit Arbeitslosen

Alles, was in diesem Beitrag steht, liegt völlig quer zum Zeitgeist. Aber was wäre die Alternative? Vermutlich, die Hinwendung zu einer Art Schlaraffengesellschaft, in welcher ohne Arbeit des Menschen vom 3D-Drucker, alles Gewünschte ausgestoßen wird, finanziert durch eine Art von bedingungslosem Grundeinkommen, das seinerseits sich aus der von Professor Thomas Piketty (Das Kapital im 21. Jahrhundert, 2013) vorgeschlagenen, weltweit flächendeckend erhobenen, progressiven Vermögensabgabe nähren würde. Das vom WEF dieses Jahr so dringlich erklärte Ungleichheitsproblem wäre dann vielleicht gelöst, der Mensch aber, so meine Vermutung, auch am Ende angekommen. Denn sein Leben hätte jegliche Sinnhaftigkeit verloren. Möglich wäre es, denn die Artificial Intelligence ist durchaus in der Lage, dem Menschen nicht zur Extension seiner Fähigkeiten zu verhelfen, sondern seinen Geist verkümmern zu lassen. Degenerierung wäre dann unser Evolutionsziel.

Ja, diesmal ist alles anders. Die Industrie 4.0 sollten wir nicht einfach an uns geschehen lassen, sondern wir müssen uns entscheiden. Nämlich zwischen einem vom Kollektiv betriebenen Quasischlaraffenland, das seine Untertanen zwar vielleicht gleichmäßig ernährt, für die die technologische Entwicklung aber zur Substitution ihrer selbst wird. Oder alternativ einem bei weitem anspruchsvolleren Gesellschaftsmodell, in welchem letztlich jeder weiterhin für sich selber verantwortlich bleibt. Und in einem sich laufend veränderndem Umfeld das erarbeitet und anbietet, was qua immer neuer, überraschender Präferenzen immer wieder neu nachgefragt wird.

Anmerkungen:

[1] Mehr Informationen finden sich in der bergsicht Ausgabe Nr. 4 «Total Data» vom 9. Dezember 2013.

[2] Mehr Informationen finden sich in der bergsicht, Ausgabe Nr. 9 «Miete mich!» vom 9. Oktober 2014.

[3] Mehr Informationen finden sich in der bergsicht Ausgabe Nr. 17 vom 25. Januar 2016. Kurzfassung: Blockchain – effizienter als Institutionen

Dies ist ein gekürzter Beitrag aus der bergsicht 23 mit dem Titel „Ist diesmal alles anders?“. Mehr Informationen finden Sie auf www.m1ag.ch.

Bildnachweis:  fotolia / zapp2photo

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