AUS DER SICHT DES MARKTES: Weshalb Bankenkonkurse zugelassen werden müssen

Das Wort „Markt“ ist ein Oberbegriff für die dezentrale direkte und indirekte Kooperation von Millionen und Milliarden von  Menschen, die zahlreiche unterschiedliche Präferenzen und Erwartungen haben. Die Hauptauf­gabe des Marktes besteht nun nicht darin, diese unendlich zahlreichen und unterschied­lichen Erwartungen der Menschen zu erfüllen, – im Gegenteil: Die Hauptaufgabe des Marktes besteht darin, herauszufiltern, welche dieser individuellen Erwartungen nicht erfüllt werden können, weil sich keine entsprechenden individuellen Gegenerwartungen finden lassen. Nur so können Fehlinvestitionen in Grenzen gehalten und Fehler korri­giert werden.

Preise, Zinsen und Wechselkurse sind dabei die Stoppschilder, die nicht nur Grenzen des Möglichen markieren, son­dern bei Nichtbeachtung auch konsequent durchsetzen. Denn dem ökonomischen Gesetz kann nicht durch Manipulation von Preisen, Zinsen und Wechselkursen ausgewi­chen werden. Eine Verlustsituation ist eine Verlustsituation, auch wenn in dieser unter einem nach unten und ins Negative manipulierten Zins oder Preis Scheingewinne aus­gewiesen werden. Durch Scheingewinne wandelt sich eine Verlustsituation nicht in eine Gewinnsituation. Es werden lediglich bisherige Fehler nicht korrigiert und regelmäßig neue Verluste produziert.

Zentralbanken und Preisregulierungsbehörden mögen Preise, Zinsen und We­chselkurse nach Belieben manipulieren; die „realen“ oder besser „echten“ Preise, Zinsen und Wechselkurse wirken nichtsdestotrotz unsichtbar weiter und erzeugen bei Nichtbe­achtung weitere Verluste. Der daraus entstehende Prozess von Verlustakkumulationen qua Fehlallokation erhöht mehr und mehr die Fragilität des gesamten Wirtschafts- und Finanzsystems, weil die laufende dezentrale Fehlerkorrektur des Marktes durch die Zentralbanken sys­tematisch ausgeschaltet wurde.

Es verwundert deshalb nicht, dass die Bankenkrise von 2007/2008 immer noch nicht bereinigt ist und die akute Krise der italienischen Banken nur die Spitze des Eisberges dar­stellt. Erschwerend kommt hinzu, dass die Krise der Ban­ken mit der Überschuldungs­krise von Staaten verwoben ist.

Die Niedrigzinspolitik und Anleihekaufprogramme sollen zwar offiziell Wachstum und Inflation fördern. Primär dienen diese Programme jedoch dazu, überschuldeten Staaten das Tragen ihrer Schuldenlast zu erleichtern. Aus diesem Grund dürfte das Zinsniveau noch sehr lange niedrig gehalten werden. Anders ist die Schuldenlast nicht zu tra­gen.

Da die niedrigen Zinsen den Banken keine ausreichenden Gewinne ermöglichen, bricht den ohnehin angeschlagenen Banken endgültig das Geschäftsmodell zusammen. Erst wurde versäumt, faule Kredite abzuschreiben in der vagen Hoffnung, dass sich diese in Phasen kräftigen Wirtschaftswachstums in halbwegs gesunde Kredite verwandeln werden. Jetzt schrumpft auch noch die Zinsmarge. Die Banken sind so von zwei Seiten unter Druck und früher oder später ökonomisch am Ende. Allein die italienischen Banken haben faule Kredite von über 360 Milliarden Euro in ihren Büchern.

Dabei brauchen Zentralbanken die Geschäftsbanken als Kreditgeber für die Wirtschaft. Durch die Nied­rig- und Negativzinsen soll die Kreditvergabe an die Wirtschaft angeregt und das Wirt­schaftswachstum gefördert werden. Das ist bislang nicht gelungen und wird vermutlich auch nicht gelingen. Denn welche Anreize sollten die Banken haben, ihre Kreditvergabe zu erhöhen? Die Zentralbanken erwarten offensichtlich von den Banken, dass sie bei nach unten manipulierten Zinsen ihre Kreditvergabe erhöhen! Mehr Risiko für weniger Zins!

Wenn diese Kredite nicht mit Eigenkapital unterlegt werden müssten, wären vielleicht einige Banken zur erhöhten Kreditvergabe bereit. Das Eigenkapital der Ban­ken soll aber gerade zur Erhöhung der Finanzstabilität gestärkt werden. Nur wel­cher private Kapitalgeber investiert in angeschlagene Banken, deren Geschäftsmodell zudem durch Niedrig- und Negativzinsen zerstört wird? Die Rufe nach einem 150 Milliarden schweren staatlichen Fonds zur Rekapitalisierung der europäischen Banken sind deshalb bereits erschallt. Die Interventionsspirale dreht sich unaufhörlich weiter.

Bereinigen lässt sich die Finanzkrise nur, wenn Abschreibungen schonungslos durchgeführt und Bankenkonkurse in Kauf genommen werden. Die Verlustakkumulati­onen gehen sonst ungebremst weiter und führen unser gesamtes Bankensystem zum ungeregelten Zusammenbruch. Durch Scheinpreise, Scheinzinsen und Scheinwechsel­kurse lassen sich Verlustsituationen nicht in Gewinnsituationen verwandeln. Bis Ende des Jahres wird sich zeigen, ob die neuen europäischen Regeln zur Ban­kenabwicklung tatsächlich in Italien zur Anwendung kommen werden oder ob der überschuldete italienische Staat die italienischen Banken mit Steuergeldern retten wird. Letzteres ist wahrscheinlich, ersteres wäre jedoch richtig.

Und noch richtiger wäre es, wenn die Zentralbanken aufhören würden, die Zinshöhe zu manipulieren. Für die nächsten Jahre dürfte das indes noch unwahrscheinlicher sein als Bankenkonkurse. Die monetäre Planwirtschaft frisst sich weiter Bahn. Die Fallhöhe wird größer und größer. Die finanzielle Repression wird zunehmen.

Melden Sie sich jetzt für unseren Newsletter an.

So halten wir Sie über Neuigkeiten auf unserer Website und die Aktivitäten des Austrian Institute auf dem Laufenden.

Jetzt anmelden

Send this to a friend