Henry Hazlitt

Henry Stuart Hazlitt (1894 – 1993) war ein bedeutender US-amerikanischer Wirtschaftsjournalist, der unter anderem für „The Wall Street Journal“, „The Nation“, „The American Mercury“, „Newsweek“ und „The New York Times“ arbeitete.

Henry Hazlitt wurde in Philadelphia, Pennsylvania, geboren und wuchs in Brooklyn, New York, auf. Er war ein Nachfahre des britischen Essayisten William Hazlitt, lebte aber in eher ärmlichen Verhältnissen, da sein Vater schon früh starb. Ursprünglich strebte Hazlitt eine akademische Karriere in Psychologie und Philosophie an. Er besuchte das City College in New York, verließ es aber schon nach kurzer Zeit, um seine zweifach verwitwete Mutter zu unterstützen.

Hazlitts begann seine Karriere schon im Teenageralter beim „Wall Street Journal“ als Sekretär des geschäftsführenden Herausgebers. Diese Arbeit weckte sein frühes Interesse an Wirtschaft. Von maßgeblichem Einfluss auf sein Denken wurde damals „The Common Sense of Political Economy“ von Philip Wicksteed. Mit 21 Jahren veröffentlichte Hazlitt sein erstes Buch „Thinking as a Science“.

Während des Ersten Weltkriegs diente Hazlitt im Heeresfliegerdienst. In den frühen 1920er Jahren war er Finanzredakteur der „New York Evening Mail“. Als ihm der Verleger W. W. Norton vorschlug, eine offizielle Biographie über Bertrand Russell zu schreiben, verbrachte Hazlitt „eine Menge Zeit“ mit dem berühmten Philosophen. Russell bewunderte das Talent des jungen Journalisten so sehr, dass er Nortons Vorschlag zugestimmt hatte, doch das Projekt endete nach fast zwei Jahren Arbeit, als Russell erklärte, eine eigene Autobiographie schreiben zu wollen.

Während der Zwischenkriegszeit war Hazlitt auch als Literaturredakteur für „The New York Sun“ (1925-1929) und die linksgerichtete Zeitschrift „The Nation“ (1930-1933) tätig. Im Zusammenhang mit seiner Arbeit für „The Nation“ gab Hazlitt auch „A Practical Program for America“ (1932) heraus, eine Zusammenstellung von Überlegungen zur Politik der Großen Depression. Er vertrat jedoch mit seiner Forderung nach weniger staatlichen Eingriffen in die Wirtschaft eine Minderheitenposition und verließ später „The Nation“.

1933 veröffentlichte Hazlitt das Buch „The Anatomy of Criticism: A Trialogue“, ein dem er sich mit Literaturkritik und -bewertung befasste. Im selben Jahr wurde er Herausgeber der Literaturzeitschrift „The American Mercury“, allerdings aufgrund zunehmender Differenzen mit dem Verleger Alfred A. Knopf sen. nur für kurze Zeit. Hazlitts Henry Louis Mencken, der „The American Mercury“ gegründet hatte, schrieb allerdings, dass Hazlitt „der einzige mir bekannte kompetente Kunstkritiker war, der gleichzeitig ein kompetenter Ökonom war, sowohl in der praktischen als auch in der theoretischen Ausbildung”, und fügte hinzu, dass er „einer der wenigen Ökonomen in der Geschichte der Menschheit ist, der wirklich schreiben konnte”.

Von 1934 bis 1946 war Hazlitt der wichtigste Leitartikelautor über Finanzen und Wirtschaft für die „New York Times“ und schrieb sowohl eine signierte wöchentliche Kolumne als auch die meisten nicht signierten Leitartikel über Wirtschaft, was ein beträchtliches Arbeitsvolumen bedeutete. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs geriet Hazlitt mit Arthur Hays Sulzberger, dem Herausgeber der „New York Times“, in Streit über das neu gegründete Bretton-Woods-System, aus dem die Weltbank und der Internationale Währungsfonds hervorgingen. Hazlitt lehnte das Bretton-Woods-Abkommen ab, da er vor allem die Gefahr von Inflation fürchtete. Nachdem er sich bereit erklärt hatte, nicht mehr über das Thema zu schreiben, wechselte er zum „Newsweek“-Magazin, für das er von 1946 bis 1966 die Kolumne „Business Tides“ schrieb.

Hazlitt zufolge hatte auf ihn das Werk von Ludwig von Mises den größten Einfluss. Hazlitt wird auch die Leistung zugeschrieben, die Ideen der Österreichischen Schule den englischsprachigen Laien nahe gebracht zu haben. So rezensierte Hazlitt etwa 1938 die kurz zuvor veröffentlichte englische Übersetzung von Mises’ Abhandlung über den Sozialismus für die „New York Times“ und bezeichnete sie als Klassiker und „verheerendste Analyse des Sozialismus, die jemals verfasst wurde“. Nach der Emigration des jüdischen Ökonomen aus dem nationalsozialistisch dominierten Europa in die Vereinigten Staaten im Jahr 1940 veranlasste Hazlitt, dass Mises Leitartikel für die „New York Times“ beisteuerte, und verhalf Mises zu einem Lehrauftrag an der New York University. Ebenso trug er zur Bekanntheit von Friedrich August von Hayeks „Weg zur Knechtschaft“ in den USA bei. Seine Rezension in der „New York Times“ von 1944 veranlasste dem „Reader’s Digest“ das Werk des zukünftigen Nobelpreisträgers einem breiten Publikum zugänglich zu machen.

Im Gegensatz zu vielen anderen Schriftstellern seiner Generation von der politischen Rechten hat Hazlitt nie eine Periode erlebt, in der er Sozialist oder Kommunist war. Er war der Gründungs-Vizepräsident der „Foundation for Economic Education“ – des ersten Think-Tanks für marktwirtschaftliche Ideen – die in den 1980er Jahren auch seine große persönliche Bibliothek erwarb. Hazlitt gehörte auch im Jahr 1947 zu den ersten Mitgliedern der klassisch-liberalen Mont Pelerin Gesellschaft.

Gemeinsam mit John Chamberlain war Hazlitt von 1950 bis 1952 Herausgeber des Magazins „The Freeman“ und von 1952 bis 1953 dessen Chefredakteur. Zu seinen Mitarbeitern gehörten damals Hayek, Mises und Wilhelm Röpke. Der „Freeman“ gilt als wichtiger Vorläufer des konservativen „National Review“, für den von Anfang an viele Redakteure des „Freemans“ schrieben, darunter auch Hazlitt selbst. Der „Freeman“ unter Hazlitt war allerdings säkularer und präsentierte ein breiteres Spektrum außenpolitischer Meinungen als der „National Review“.

Hazlitt brachte die Romanschriftstellerin Ayn Rand mit Mises zusammen, die heute beide als die prominentesten Verteidiger des Laissez-faire-Kapitalismus gelten.

Hazlitt wurde sowohl durch seine Artikel als auch durch häufige Debatten mit prominenten US-amerikanischen Politikern im Radio bekannt. Sein letzter wissenschaftlicher Artikel erschien 1987 im ersten Band der Zeitschrift „The Review of Austrian Economics“ (heute „The Quarterly Journal of Austrian Economics“).

Henry Hazlitt hat insgesamt 25 Werke geschrieben, sein am meisten verbreitetes ist „Economics in One Lessen“ (Deutsch: „Die wichtigsten Regeln der Wirtschaft“). In „The Failure of the ‘New Economics’: An Analysis of the Keynesian Fallacies” liefert Hazlitt eine detaillierte Kritik von John Maynard Keynes’ „General Theory”. Ebenso schrieb er ein bedeutendes Werk über Inflation, das mittlerweile ebenfalls in deutscher Sprache zugänglich ist.

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