Prof. Dr. Gunther Schnabl bei einem seiner beiden Vorträge zu den Themen Geldpolitik Inflation und Währungswettbewerb (Bild: Austrian Institute)
Es kann wahrlich nicht behauptet werden, dass es heutzutage ein Überangebot an Veranstaltungen für freiheitlich eingestellte junge Menschen gibt. Vergleichbare Tagungen, die sich die Freiheit auf die Fahne schreiben, verfolgen oft eine parteipolitische Agenda. Umso erfrischender war es für die diesjährigen Teilnehmer der Austrian Academy, zu denen auch der Verfasser dieses Berichts gehört, vier Tage mit gleichgesinnten jungen Menschen verbringen und mit ihnen zeitlose und tagesaktuelle Fragen frei von jeder ideologischen Verblendung und Denkverboten diskutieren zu können. Die Veranstaltung, unter dem Leitthema „Marktwirtschaft, Freiheit und Unternehmertum – Fundamente einer humanen Gesellschaft“ richtet sich an Studierende und Berufstätige zwischen 20 und 30 Jahren, die sich für die Ideen der Freiheit im Zusammenhang mit wirtschaftlichen und sozialphilosophischen Fragen interessieren. Die Austrian Academy fand dieses Jahr vom 17. bis 20. September in Wien statt – insgesamt nun zum achten Mal.
Hochkarätige Vortragende – spannende Themen
Obwohl das Institut selbst und mehrere Vortragende zwar in der Tradition der Österreichischen Schule der Nationalökonomie stehen, wurden die behandelten Themen auch aus alternativen Blickwinkeln beleuchtet und durchaus kritische Fragen gestellt. Aus den lebhaften Diskussionen am Ende der Vorträge konnte man jedes Mal viel mitnehmen.
Auch dieses Jahr sorgten mehrere hochkarätige Vortragende aus dem In- und Ausland für ein konstant hohes Niveau über die vier Tage hinweg. Besonders hervorzuheben ist die gelungene Mischung von abstrakten ökonomisch-philosophischen Fragestellungen mit aktuellen Themen. Mehrere Vorträge bewegten sich an der Schnittstelle zwischen Theorie und Praxis. Hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang der Beitrag von Prof. Dr. Philipp Bagus, der aus erster Hand von dem einzigartigen „Experiment“ des zum argentinischen Präsidenten gewählten Ökonomen Javier Milei berichtete, auf dem Hintergrund der Prinzipien der Österreichischen Schule die reformresistente Welt der argentinischen Politik und Wirtschaft zu sanieren und das Land wieder zukunftsfähig zu machen.
Auch die Vorträge von Prof. Dr. Werner Plumpe (Universität Frankfurt a. M.) oder Philip Booth (University of Twickenham, London) über die Handelskriege und die Globalisierungsgegner von links und rechts waren – leider – sehr aktuell, vor allem aber spannend und lehrreich.
Nicht nur die Globalisierung und die freie Marktwirtschaft, die der Menschheit einen nie dagewesenen Wohlstand bescherten, stehen heute unter Beschuss – auch die Meinungsfreiheit, die eine der wichtigsten Säulen einer freien Gesellschaft darstellt, schwebt in Gefahr, wie die Teilnehmerinnen und Teilnehmer den faktenreichen Ausführungen von Prof. Dr. Susanne Schröter (ebenfalls Universität Frankfurt a. M.) entnehmen durften.
Ebenfalls ausführlich behandelt wurden die wirtschaftlichen Probleme der Europäischen Union . Gestützt auf Friedrich August von Hayeks Überinvestitionstheorie, unterzog Prof. Dr. Gunther Schnabl, Direktor des Flossbach von Storch Research Institute und Volkswirtschaftsprofessor an der Universität Leipzig, die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank einer kritischen Analyse.
Die Vortragenden waren sich weitgehend einig, dass der relative Abstieg Europas vor allem auf die immer stärkeren interventionistischen Tendenzen Brüssels und der Mitgliedstaaten zurückzuführen ist. Vor diesem Hintergrund waren die beiden Vorträge von Prof. Dr. Stefan Kooths besonders aufschlussreich. Der Direktor für Konjunktur- und Wachstumsforschung am Kiel Institut für Weltwirtschaft und Vorsitzende der Friedrich A. von Gesellschaft, Berlin, räumte mit gängigen Missverständnissen über sogenannte Marktversagen auf. Letztere werden oft als Anlass genommen, staatliche Eingriffe in das Marktgeschehen zu rechtfertigen. Wie Kooths mit historischen Beispielen überzeugend belegen konnte, kommt Marktversagen seltener vor, als man gemeinhin annimmt, und führen die Versuche, diese zu beheben zu Staatsversagen, das oft ungünstigere Auswirkungen hat, als das angebliche Marktversagen, das man mit staatlichen Interventionen zu korrigieren sucht.
Dr. Franz Schellhorn, der Direktor der Wiener Denkfabrik Agenda Austria, argumentierte in seinem Eröffnungsvortrag dafür, die Marktwirtschaft sei das beste Sozialprogramm der Geschichte. Wenn man ihr nur genug Raum zur freien Entfaltung gebe, profitierten davon – entgegen der gängigen Auffassung – gerade die ärmsten Schichten am meisten. Prof. Dr. Martin Rhonheimer, der Mitgründer und Präsident des Austrian Institute, schlug in eine ähnliche Kerbe, als er über die Zusammenhänge von Kapitalismus und Gerechtigkeit sprach und aufzeigte, warum in einer kapitalistisch-marktwirtschaftlichen Wirtschaftsordnung Ungleichheit durchaus nicht ungerecht zu sein braucht, sowie weitverbreitete Vorstellungen von sozialer Gerechtigkeit einer kritischen Prüfung unterzog.
Am Ende der Tagung sorgte Dr. med. Alex Paeger dafür, dass die Zuhörer aus den Höhen der Theorie wieder in die Praxis zurückkehrten. Dr. Paeger ist Arzt, der die überaus erfolgreiche AMEOS-Gruppe, ein Gesundheitsdienstleister im Bereich Krankenhäuser, Pflege und Eingliederung. im DACH-Raum aufbaute und damit eine der wichtigsten Tugenden der Österreichischen Schule vorlebt: unternehmerische Lösungen für – in diesem Fall zum größten Teil staatlich verursachte – Probleme zu finden.
Lebhafte Debatten, Networking, Knüpfen von Freundschaften
Die Vielfalt der Teilnehmerinnen und Teilnehmer trug zu einer lebhaften Diskussion bei. Ungeachtet dessen, ob man konservativ-liberale oder gar anarchokapitalistische Ansichten vertrat: alle verband eine kritische Haltung, die unerlässlich ist, um einem Verständnis unserer heutigen Welt nahe zu kommen. Einige der Teilnehmer konnten sogar schon erste Erfahrungen als Unternehmer sammeln.
Während der Tagung wurden Kontakte ausgetauscht, Freundschaften geknüpft. Die Teilnehmer wurden zudem mit einem großzügigen Bücherpaket bedacht, dessen Inhalt die Themen der Vorträge vertiefen.