„Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist!“ – aber nicht mehr

Denkt man über die Zukunft nach und versucht dabei, mögliche Ausgänge und Entwicklungen auszudenken, besteht immer ein schmaler Grat zwischen Optimismus und Selbsttäuschung. Für gewöhnlich überschätzen wir unsere individuelle und kollektive Fähigkeit zu beeinflussen, was vor uns liegt, und wir tendieren dazu, den Einfluss externer Faktoren, die unsere Pläne durchkreuzen können, zu unterschätzen. Selbst wenn die genannten Faktoren bereits in Kraft sind und damit unsere Wahlmöglichkeiten und Entscheidungen bereits prägen, glauben wir immer noch daran, dass der bestehende Druck eines Tages aufhört und uns ganz einfach unseren Weg gehen lässt. Diese Form von ständiger Verneinung und bewusster Blindheit hindert uns daran, Vorsichtsmaßnahmen zu treffen.

Unglücklicherweise ist dies der Fall für die meisten unter uns, die sich gegen das aktuelle Wirtschaftssystem wenden und ihre Stimme dagegen erheben. Wer sich lediglich über die endlosen Fehler unserer Institutionen echauffiert, unabhängig davon, wie vernünftig seine Argumente sind, kann mit Ausnahme eines emotionalen Ventils für sich selbst wenig erreichen. Launenhaftigkeit ist eine schwache und unwirksame Verteidigung. Ein geeigneterer Ansatz wäre es, den Tatsachen ins Auge zu schauen und dementsprechend zu handeln.

Das Gebäude unserer Wirtschaft gleicht dem bekannten Geschicklichkeitsspiel „Jenga“; seine Bausteine sind Fiat-Währungen (bzw.. ungedeckte Papiergeldwährungen): die Illusion voshutterstock_85605802 (2)n in sich wertlosen Papierscheinen und digitalen Einträgen in Computern, die durch nichts gedeckt sind als den Glauben an sie und das Vertrauen in die dahinterstehende Staatsgarantie. Obwohl es einmal eine Zeit gab, als die Struktur des Systems nach außen hin noch als sicher und nachhaltig galt, erscheint heute jeder weitere Schritt der immer häufigeren aggressiven politischen Eingriffe und Interventionen als Bedrohung für die strukturelle Stabilität des ganzen Gebäudes. Willkürliche und leichtsinnige Manipulationen unseres Geldsystems sowie institutionelle Versuche, ökonomische Gesetze außer Kraft zu setzen, sind allesamt Anzeichen, den Jenga-Turm stabilisieren zu wollen, während die ersten Bausteine bereits beginnen, rund um uns herum herunterzustürzen.

 

Verzweifelte Situationen erfordern verzweifelte Maßnahmen

Es wird  immer offensichtlicher, dass infolge der übermäßigen Macht des Staates und seiner einseitigen Handlungsweise, schädliche Auswirkungen unvermeidlich sind. Die Grundlagen des ohnehin künstlichen Geld- und Finanzsystems gelangen aufgrund der invasiven Maßnahmen der Politik und ihrer aggressiven Manipulationen immer näher an die Belastungsgrenze. Es gibt unzählige Beispiele für solche autoritäre Eingriffe und ihre  – sowohl beabsichtigten als auch unbeabsichtigten – zerstörerischen Konsequenzen. Man braucht sich nur die schiere Absurdität von Negativzinsen vor Augen führen. In theoretischer Hinsicht und angesichts grundlegender ökonomischer Gesetze widersprechen sie aller ökonomischen Vernunft; negative Zinsen sind Sinnbild für die Verzweiflung derjenigen, welche das System am Leben erhalten wollen, es dabei aber ständig in neue Schieflage bringen. Wie vorhergesagt, hat diese Politik individuelle Entscheidungen in der Finanzplanung unheimlich erschwert und Anleger in Alternativen zum traditionellen Bankensystem gezwungen. Die Münchener Rück, der größte Rückversicherer der Welt, hat sich etwa physischem Gold und Bargeld zugewendet, um der negativen Verzinsung von -0.4% auf ihren Einlagen bei der EZB auszuweichen. Dabei betreffen Maßnahmen wie Negativzinsen nicht nur institutionelle Anleger, multinationale Unternehmen und Großbanken, sondern sie bedrohen letztlich genauso die Zukunft privater Investoren, der Pensionskassen und gewöhnlicher Kleinsparer.

Bargeld als einfache und leicht zugängliche Alternative mag einem spontan in den Sinn kommen. Jedoch ist auch Bargeld nicht mehr das „sichere“ Produkt, als das wir es einst zur Wertaufbewahrung außerhalb des Bankensystems wahrgenommen haben. Gerade ein paar Tage ist es her, dass die EZB sich für das Ausrangieren der 500 Euroscheine entschieden hat – dies als lediglich einer der Schritte einer Serie von Angriffen auf das Bargeld. Indem argumentiert wird, dass physisches Geld von Drogenbaronen und Terroristen verwendet wird, gesetzestreue Bürger hingegen keinen Gebrauch von ihm machen, zwingen Regierungen die Menschen dazu, alle Transaktionen online auszuführen, wobei diese damit einfacher überwachbar werden. Einlagen bei Banken können in der Folge relativ einfach für Bail-ins genutzt oder sogenannten „haircuts“ unterworfen werden – die Krise in Zypern hat uns dies gelehrt. Der Zugang zum eigenen Sparguthaben kann auf einfache Art und Weise abgelehnt, blockiert oder durch Kapitalverkehrskontrollen beschränkt werden. Griechenland mag hier als bestes Beispiel dienen: Arbeitgeber wurden gezwungen, sich um besondere Genehmigungen für das Abheben von ausreichenden Geldbeträgen zu bemühen, um überhaupt noch ihren Verpflichtungen gegenüber ihren Arbeitnehmern, Lieferanten und Geschäftspartnern nachkommen zu können.

 

BNP Paribas: ein Beispiel dafür, wie Cäsar seine Macht ausweitet

Des Weiteren zeigt der im letzten Jahr von der Berichterstattung weitgehend ignorierte Fall der US-Regierung gegen BNP Paribas die uneingeschränkte Macht, die sich in den Händen des „Kaisers“ verbirgt. Die französische Bank wurde verpflichtet, eine Rekordsumme von 8.83 Mrd. US-Dollar und eine Busse von 140 Mio. US-Dollar zu bezahlen, nachdem sie bezüglich der Verletzung von US-Sanktionen gegen Kuba, Sudan und Iran für schuldig befunden worden war. Die Transaktionen fanden nicht auf US-Boden resp. innerhalb des US-Rechtsraums statt, jedoch zwang – wie es in solchen Fällen üblich ist – die Verwendung des US-Dollars als Währung BNP Paribas dazu, eine amerikanische Korrespondenzbank zu nutzen. Dies war Voraussetzung für die Anwendbarkeit von US-Recht auf den Fall, der in solcher Form ein Präjudiz darstellt. Die Härte des Vorgehens, das an BNP Paribas ein Exempel statuieren wollte, hat andere Banken eingeschüchtert. Berichten zufolge lancierten Credit Agricole und SocGen interne Untersuchungen, um etwaige Verstöße gegen US-Sanktionen ausfindig zu machen.

In Tat und Wahrheit bedeutet das Verdikt, dass die US-Regierung sich das Recht vorbehält, jede Transaktion in US-Dollar, die ihren Interessen widerspricht, zu verfolgen und zu bestrafen. Die USA beanspruchen damit einseitig die Rechtshoheit über alle relevanten privaten Verträge, unabhängig ihrer geografischen, nationalen, zivilen oder rechtlichen Verankerung und Grenzen. Ungeachtet der Nationalität oder örtlichen Tätigkeit wird eine Person durch die bloße Verwendung der amerikanischen Währung zu einem Rechtsunterworfenen der USA, der sich an den Rechtsrahmen der dortigen Regierung zu halten hat.

Diesen Beispielen gemein ist die Feststellung, dass es keinen „sicheren Hafen“ vor den interventionistischen Eingriffen der Zentralplaner gibt. Dies gilt zumindest dann, wenn man sich innerhalb der Grenzen ihres Systems bewegt. Dessen Auswirkungen zu minimieren, ist ebenfalls ein aussichtsloses Unterfangen. Der Gebrauch von Abwehrmaßnahmen oder der Glaube, proaktiv und vorbereitet darauf reagieren zu können, ist nicht mehr als bloßes Wunschdenken. Dies ist in etwa so, wie wenn man hofft, die Gewinnchancen in einem Kasino zu seinen Gunsten beeinflussen zu können. Die Realität sticht jedoch die Hoffnung aus, und das Kasino gewinnt letztlich immer.

 

Für eine selbstbestimmte ökonomische Zukunft: welchen Weg soll man einschlagen?

Die Argumente gegen das heutige Establishment erscheinen klar und unwiderlegbar, die zunehmende Desillusionierung und der Vertrauensverlust in die Macht des Staates sind berechtigt. Das Urteil in dieser Debatte ist gefallen und lautstark erschallt deshalb von vielen Seiten die Anklage: Das System versagt. Die Frage, die offenbleibt, ist: Was kann der Einzelne unternehmen?

Meiner Meinung nach ist die Zeit bloßen Diskutierens, Nachdenkens und Philosophierens über die theoretischen Aspekte finanzieller Repression oder anderer Staatseingriffe längst abgelaufen. Es ist notwendig, praktische Schritte hinaus aus dem heutigen System zu finden. Um bei der anfänglichen Metapher zu bleiben: der erste Schritt  besteht darin, dass man sein Vermögen so weit wie möglich vom Jenga-Turm entfernt platziert und dem „Kaiser gibt, was des Kaisers ist“ – aber nicht mehr. Mit anderen Worten sind Finanzanlagen zu meiden, die eng mit dem Staat verbunden oder von ihm abhängig sind, wie beispielsweise Fiat-Währungen (sowohl Bar- als auch Buchgeld), Staatsanleihen sowie Anlagen, die ihren Wert aus den vorgenannten Quellen ableiten. Dies bedeutet freilich nicht, dass man für die laufenden Ausgaben nicht auf Staatsgeld abstellen kann und soll.

Wie soll man nun sein Eigentum anlegen, um es zu sicher zu schützen? Gewisse Optionen sind zuverlässiger als andere, und selbst wenn nicht alle Optionen uneingeschränkte Wundermittel darstellen, so liegt es doch am Einzelnen, die richtigen Entscheidungen zu treffen, die seinen Bedürfnissen am besten entsprechen. Für die meisten ist das Investieren in ein gut diversifiziertes Portfolio aus echten Anlagewerten, bestehend aus einem gesunden Mix von Aktien, Grundeigentum und Hartwährungen, wie beispielsweise Gold, immer noch der beste Weg. Ich bin überzeugt, dass die Wahl des Rechtssystems, in dem die Anlagen gehalten werden, in Zukunft noch bedeutsamer wird. Darum ist es wichtig, das private Vermögen in Ländern zu positionieren, die eine respektable Vergangenheit im Umgang mit Eigentumsrechten vorweisen können.

Die Zeit ist gekommen, dass Neinsager und Kritiker des heutigen Systems nach denjenigen Maßstäben zu leben beginnen, die sie auch sonst predigen. Diese Forderung ist insbesondere eine logische Folgerung aus dem von ihnen hoch gehaltenen Grundsatz der Eigenverantwortung, wonach es dem Individuum obliegt, sein Vermögen zu schützen und die Kontrolle über eine selbstbestimmte ökonomische Zukunft wiederzuerlangen.

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