8. Weniger Bürokraten – weniger Kaufkraft?

Henry Hazlitt: Economics in One Lesson

Beamte sind für den Staat unerlässlich. Ohne sie würde nicht einmal der freie Markt funktionieren:

„Polizisten, Feuerwehrmänner, Straßenreiniger, Beamte im Gesundheitswesen, Richter, Beamte der Legislative und Exekutive, die notwendig sind, leisten ebenso wertvolle Dienste wie andere Beschäftigte in der Privatwirtschaft. Sie machen es möglich, dass die Privatwirtschaft unter rechtsstaatlichen und geordneten Verhältnissen frei und friedlich funktionieren kann. Ihre Rechtfertigung beziehen diese Beamten … aus dem Nutzen ihrer Dienstleistungen“.

Kaufkraft als Rechtfertigung überflüssiger Beamter

Allerdings gilt das nicht immer für alle Beamten. Zuweilen steigt die Zahl der Staatsbeamten übermäßig an, ohne als dass diese der Gemeinschaft Dienste leisten, „die in einem angemessenen Verhältnis zu der Entlohnung stehen, die sie erhalten.“

Das Verringern der Zahl überflüssiger Beamter ist allerdings nicht so leicht. Oft löst es einen landesweiten Aufschrei aus, weil man so diesen Beamten die „Kaufkraft“ entziehe. Händler und Grundbesitzer würden darunter leiden, das „Volkseinkommen“ verringert und eine neue Depression begünstigt.

 

Man vergisst die Steuerzahler und die übrigen Geschäftsleute

Wie so oft, unterliegt auch dieser Einwand dem Fehler, nur die unmittelbaren Auswirkungen einer Maßnahme zu beachten, nicht aber jene für die Gesamtheit. Die Folgen für die entlassenen Beamten und für die von ihnen abhängigen Händler werden gesehen. Vergessen werden die Steuerzahler, denen ihr Geld zur Bezahlung der überflüssigen Beamten nicht länger abgenommen wird, sobald diese Bürokraten nicht mehr beschäftigt sind:

„Wieder wird übersehen, dass das Einkommen und die Kaufkraft der Steuerzahler um wenigstens so viel zunehmen, wie das Einkommen und die Kaufkraft der ehemaligen Beamten abnehmen.“ An Orten, wo Regierungen und große Behörden ihren Sitz haben, wird es künftig möglicherweise weniger Läden geben. Doch gleichzeitig „machen andere Händler an anderen Orten um mindestens ebenso viel mehr Umsatz.“

 

Das Land steht ohne überflüssige Beamte besser da

Doch es wäre eine Verkürzung nun zu sagen: Durch die Beschneidung der Zahl überflüssiger Beamter steht ein Land in Summe genauso gut da, wie bei ihrer Beibehaltung; die einen profitieren, andere haben den Schaden. Vielmehr steht das Land insgesamt weit besser da:

„Denn die Beamten müssen jetzt in der Privatwirtschaft unterkommen oder sich selbständig machen. Und die zusätzliche Kaufkraft der Steuerzahler fördert das“. Gleichzeitig erbringen die ehemaligen Beamten ihren neuen Arbeitgebern und deren Kunden eine Gegenleistung. „Anstatt von anderen zu leben, werden sie zu Bürgern, die etwas leisten.“

 

Das Beispiel der heimkehrenden Soldaten

Die Forderung nach der fortgesetzten Anstellung von Beamten, die der Bürger nicht (mehr) braucht, wird unter anderem nach Ende eines Kriegs öfters erhoben, sobald die Soldaten heimkehren. Da diese Streitkräfte nicht länger für die Landesverteidigung benötigt werden, wäre ihre weitere Dienstverpflichtung reine Verschwendung. Sie würden dann ebenfalls zu Beamten ohne Nutzen. Sofort macht sich Angst vor Arbeitslosigkeit und schwindender Kaufkraft der ehemaligen Soldaten breit. Solche Befürchtungen entstehen freilich, weil die Menschen nur die eine Seite sehen.

Wenn sich für die Weiterbeschäftigung eines oder mehrerer Beamter als Argument nur noch die Bewahrung ihrer Kaufkraft anführen lässt, ist das ein Zeichen dafür, dass die Zeit reif ist, sich ihrer zu entledigen.

„Sie sehen, wie die Soldaten auf den Arbeitsmarkt strömen. Woher soll die ‚Kaufkraft‘ kommen, sie zu beschäftigen?“ Die Antwort ist einfach: über die Steuerzahler, die nicht mehr die Dienste der Soldaten finanzieren müssen. Es zeigt sich somit auch bei ehemaligen Soldaten: Wenn ihre Bezahlung nicht länger mit Steuergeldern finanziert wird, werden gleichzeitig die Steuerzahler entlastet und ihre Kaufkraft erhöht. Die Steuern werden schlicht um den Betrag gesenkt, der in der Kriegszeit für die Armee ausgegeben wurde. Nun haben die Steuerzahler mehr Geld und können mehr Waren kaufen. „Die zivile Nachfrage wird mit anderen Worten erhöht und gibt den zusätzlichen Arbeitskräften in Gestalt der ehemaligen Soldaten Beschäftigung.“ (Bei einem nicht ausgeglichenen Staatshaushalt liegt die Sache ähnlich, nur berührt sie die Frage der Defizitfinanzierung, die erst in einem späteren Kapitel behandelt wird. Fakt ist: Sollte der Staat ein Haushaltsdefizit haben, so wird es nach der Steuersenkung gleich hoch sein wie vorher, da nun die Kriegsausgaben wegfallen.)

Anstatt unproduktive Soldaten ohne Gegenleistung durch Steuern zu finanzieren, geben die entlasteten Steuerzahler ihre zusätzlichen Geldmittel an die Soldaten „als Auch-Zivilisten im Austausch für entsprechende Erzeugnisse oder Dienstleistungen weiter. Die Gesamtproduktion des Landes, der Wohlstand aller Bürger ist höher.“

 

Auch ein Gangster erlangt durch Diebstahl mehr Kaufkraft

Die Argumentation mit der „Kaufkraft“ könnte genauso gut auf Gangster und Diebe angewandt werden. Hier wird deutlich, wie abwegig diese Rechtfertigung ist. Auch Verbrecher haben nach ihrem Raub mehr Kaufkraft, von der Bars, Restaurants, Schneider etc. profitieren. Doch jenes Geld, das sie dadurch mehr haben, das haben andere gleichzeitig weniger, ganz ohne Gegenleistung. Die Kaufkraft der Diebe vergrößert sich also zulasten anderer. Genau dasselbe findet bei den Ausgaben für überflüssige Beamte statt:

„Wenn uns ein Dieb unser Geld stiehlt, bekommen wir dafür keine Gegenleistung. Wenn uns das Geld über die Steuern abgenommen wird, um nutzlose Bürokraten zu bezahlen, ist exakt die gleiche Situation gegeben.“

Und damit noch nicht genug: Nicht nur leisten überflüssige Bürokraten keine sinnvolle Arbeit zu unserem Nutzen, viel mehr richten sie in der Regel sogar Schaden an:

„Wir haben in der Tat noch Glück, wenn die nutzlosen Bürokraten nur faulenzen und sich ein schönes Leben machen. Doch wahrscheinlicher ist, dass sie sich als tatkräftige Reformer gebärden, die mit Feuereifer Sand in das Getriebe der Wirtschaft streuen.“

Somit wird deutlich: „Wenn sich für die Weiterbeschäftigung eines oder mehrerer Beamter als Argument nur noch die Bewahrung ihrer Kaufkraft anführen lässt, ist das ein Zeichen dafür, dass die Zeit reif ist, sich ihrer zu entledigen.“

 

Die hier gebotene, exklusiv für die AUSTRIAN ESSENTIALS erstellte Kurzfassung von „Die 24 wichtigsten Regeln der Wirtschaft“ erscheint mit Erlaubnis des FinanzBuch Verlags, bei dem auch die deutsche Fassung der 1978 erschienenen aktualisierten Neuauflage des Klassikers erhältlich ist.

Please note that the main website of the Austrian Institute is in German.

For further articles, events and videos switch to the German version by clicking on the language button at the top of this page.

Sign up for our newsletter.

Please note that the Newsletter of the Austrian Institute is currently only available in German.

Sign up

Send this to a friend