4. Kapitel. Die Lehre vom Tausche § 2

Carl Menger: Grundsätze der Volkswirtschaftslehre

Damit ein ökonomischer Tausch stattfindet, muss bei zwei Subjekten ein bestimmtes Verhältnis zu mindestens zwei verschiedenen Güterarten zur gleichen Zeit vorliegen: Ein Subjekt (A) verfügt über Güterquantitäten (x), die für es einen geringeren Wert haben als die Güterquantitäten (y) im Besitz des anderen Subjekts (B). Beim anderen Subjekt ist das Verhältnis genau umgekehrt: Die Güterquantitäten (x) im Besitz von A haben für es einen höheren Wert als die eigenen (y) (siehe: erste Voraussetzung des erfolgreichen Tausches, voriger Paragraph).

Ein jeder ökonomischer Gütertausch hat auf die wirtschaftliche Lage beider Tauschenden die nämliche Wirkung, als ob in den Besitz derselben ein neues Vermögensobjekt treten würde und ist demnach wirtschaftlich nicht minder produktiv, als die industrielle oder landwirtschaftliche Tätigkeit.

Solange dieses Verhältnis besteht, tauschen beide Subjekte ihre Güter, bis sie vom Tausch den maximalen Nutzen für sich erzielt haben. Danach besteht dieses Verhältnis nicht mehr und ein weiterer Tausch wird unökonomisch. Es gibt daher eine Grenze, „wo der volle ökonomische Nutzen, der sich aus der Ausbeutung eines gegebenen Verhältnisses erzielen lässt, bereits erreicht ist und jeder weitere Austausch von Teilquantitäten unökonomisch zu werden beginnt. Die Bestimmung dieser Grenze ist nun der Gegenstand der nachfolgenden Untersuchung.“

Bei je einem einzigen, unteilbaren Gute ist die Antwort leicht

Leicht lässt sich diese Grenze bestimmen, wenn „die einzelnen wirtschaftenden Subjekte von jeder Güterart nur über je ein einzelnes, im Hinblick auf seine Güterqualität unteilbares Gut verfügen“. Wenn beispielsweise A einen gläsernen Becher besitzt und B einen Schmuckgegenstand aus dem gleichen Stoffe, so bestehen bezüglich eines Tausches nur zwei Möglichkeiten: Sofern die erste Voraussetzung für einen Tausch nicht besteht, weil für beide Subjekte das Gut des jeweils anderen keinen höheren Wert hat als das eigene, so würde ein „Austausch jener Güter vom ökonomischen Standpunkte aus gar nicht in Frage kommen“. Sofern dieses Verhältnis sehr wohl besteht, würde „mit dem tatsächlich erfolgten Austausche der beiden obigen Güter jedem weiteren Austausche von Gütern derselben Art zwischen A und B eine natürliche Grenze gesetzt“ sein. Mit anderen Worten: Der Tausch würde aus einem einmaligen Austausch bestehen, damit wäre die Grenze erreicht.

Bei mehreren Gütern gibt es ein „zu viel“ und ein „zu wenig“ des Tausches

„Anders verhält es sich überall dort, wo sich Quantitäten von Gütern in der Verfügung verschiedener Personen befinden, die sich in beliebige Teilquantitäten, sondern lassen, oder aber aus mehreren … unteilbaren konkreten Stücken bestehen.“ So ist die Situation „der Regel nach in der Wirtschaft der Menschen zu beobachten und es liegt demnach unserer Beobachtung eine Unzahl von Fällen vor“.

Ein Beispiel: A ist ein amerikanischer Blockhausbesitzer. Er verfügt über mehrere Pferde, aber über keine Kuh. Bei seinem Nachbarn B ist es genau ungekehrt: Er besitzt eine Anzahl von Kühen, aber kein Pferd. Nun hat aber A einen Bedarf an Milch und Milchprodukten, und B einen solchen an Zugtieren. Damit bestehen hier die Grundlagen ökonomischer Tauschoperationen. Im Gegensatz zum vorigen Fall mit dem gläsernen Becher und dem Schmuckstück würde hier niemand behaupten, dass durch den Austausch eines einzigen Pferdes des A gegen eine Kuh des B die „vorhandenen Grundlagen ökonomischer Tauschoperationen zwischen A und B … erschöpft sein müssten.“

Andererseits bestehen diese Grundlagen aber auch nicht notwendigerweise „für die obigen Güterquantitäten in ihrer Gesamtheit“. Dann würden sie bis zum Austausch des letzten Pferdes bzw. der letzten Kuh bestehen bleiben. Das ist nicht notwendigerweise der Fall. Falls A sechs Pferde hat, könnte er seine Bedürfnisse besser befriedigen, falls er ein, zwei, oder vielleicht sogar drei seiner Pferde gegen die Kühe des B umtauschen würde. Dass er „auch dann einen ökonomischen Nutzen aus dem Tauschgeschäfte ziehen würde, falls er seine sämtlichen Pferde gegen die sämtlichen Kühe des B im Tausche hingeben würde“, ist höchst ungewiss. Es könnte im Gegenteil sogar möglich sein, dass die beiden Blockhausbesitzer danach wegen des zu weit getriebenen Tausches für ihre Bedürfnisse nun sogar schlechter vorgesorgt hätten als vor dem Tausch.

Es gibt demnach ein „zu wenig“ des Tausches, wo die beiden Wirtschaftssubjekte noch nicht den vollen ökonomischen Nutzen „aus der Ausbeutung eines vorliegenden Verhältnisses“ erzielt haben, weil sie es „nur unvollständig ausgebeutet“ haben. Ebenso gibt es „zu viel“ desselben, das entweder keine Verbesserung oder „sogar eine Verschlechterung der ökonomischen Lage der beiden Tauschenden zur Folge hat“.

Die Grenze des Tausches liegt beim Erreichen des vollen ökonomischen Nutzens

Aus dem folgt: Die Grenze liegt dort, wo der volle ökonomische Nutzen erreicht ist. Um das zu demonstrieren wird der Fall der beiden Blockhausbesitzer noch präzisiert: Sie wohnen beide im Urwald, „fern von den übrigen wirtschaftenden Individuen“, und stehen „miteinander im friedlichen Verkehr“. Symmetrisch sind des Weiteren ihre beiden Bedürfnisse – also nach Umfang und Intensität gleich.

Die Ausgangslage betreffend die Bedürfnisse und Güter von A und B:

Beide bräuchten zur Bearbeitung ihrer Grundstücke mehrere Pferde. Zumindest ein Pferd braucht jeder um „für sich und die Seinen den nötigen Lebensbedarf an Nahrungsmitteln“ hervorzubringen. Ein zweites Pferd ist für jede nötig, um „solche Nahrungsmittel zu erzeugen, die ihm zur ausreichenden Ernährung seiner Person und seiner Familie erforderlich sind.“ Das dritte Pferd braucht jeder, um Bau- und Brennholz, sowie Steine und Sand bis zum Blockhaus zu schaffen „und endlich ein Grundstück zu bearbeiten, auf welchem er einige Genussmittel für sich und seine Familie hervorbringt“. Das vierte Pferd dient zu Vergnügungszwecken, ein fünftes Pferd dient als Reserve, falls eines der anderen Pferde ausfällt. Ein sechstes Pferd aber wüsste keiner der beiden Blockhausbesitzer in seiner Wirtschaft zu verwenden.“

Um ihren Bedarf an Milch und Milchprodukten zu decken, benötigten beide Blockhausbesitzer fünf Kühe „und zwar mit der gleichen Abstufung der Wichtigkeit der diesbezüglichen Bedürfnisse, so zwar, dass er eine sechste Kuh nicht mehr zu verwenden wüsste.“

Darüber hinaus besitzt A sechs Pferde, aber nur eine Kuh, während B sechs Kühe, aber nur ein Pferd hat.

Ziffernmäßige Demonstration

Das Verhältnis wird zwecks größerer Anschaulichkeit nun ziffernmäßig dargestellt: Die „sich abstufende Bedeutung der obigen Bedürfnisbefriedigungen für die beiden Blockhausbesitzer“ wird durch eine Reihe von Ziffern demonstriert, die „im arithmetischen Verhältnisse abnehmen, z. B. durch die Reihe: 50, 40, 30, 20, 10, 0.“

Dabei stehen die Ziffern nicht für absolute Größen, sondern nur für relative zur Veranschaulichung „der Größe der Bedeutung der bezüglichen Bedürfnisbefriedigungen … .Wenn wir demnach die Bedeutung zweier verschiedener Bedürfnisbefriedigungen z. B mit 40 und 20 bezeichnen, so drücken wir damit lediglich aus, dass die erstere für das betreffende wirtschaftende Subjekt die doppelte Bedeutung der letztern habe.“

Hier sieht man: Für A hat ein Pferd eine Bedeutung von null, eine weitere Kuh hingegen die Bedeutung von 40. Bei B ist es genau umgekehrt. Klarerweise sorgen beide beträchtlich besser für die Befriedigung ihrer Bedürfnisse vor, wenn A dem B ein Pferd und B dem A eine Kuh im Austausch hingibt. Danach sieht die Bedeutung der Bedürfnisbefriedigungen in dieser Darstellung folgendermaßen aus:

Ein ökonomischer Gütertausch ist so produktiv wie der Erwerb eines Vermögensobjekts

Durch diesen Tausch ist sowohl A, als auch B „ein eben so großer ökonomischer Vorteil zugewachsen ist, als wenn sich sein Vermögen um ein Gut, dessen Wert für jede der beiden hier in Rede stehenden Personen gleich 40 ist, vermehrt hätte“. Beide haben gegen ein Gut im Wert von 0 ein anderes, das für sie den Wert von 40 hat, erhalten.

Einige Ökonomen leugnen die Produktivität des Handels. Diese Darstellung widerlegt diese Behauptung: „Ein jeder ökonomische Gütertausch hat auf die wirtschaftliche Lage beider Tauschenden die nämliche Wirkung, als ob in den Besitz derselben ein neues Vermögensobjekt treten würde und ist demnach wirtschaftlich nicht minder produktiv, als die industrielle oder landwirtschaftliche Tätigkeit.“

Beide Individuen haben aber durch diesen ersten Tausch „die Grundlagen ökonomischer Tauschoperationen keineswegs erschöpft“. Nach wie vor ist für A ein Pferd viel weniger wert (10), als eine neue Kuh (30), und umgekehrt bei B. Deshalb haben beide ein ökonomisches Interesse, eine weitere Tauschoperation vorzunehmen. Danach hat sich die Bedeutung ihrer Bedürfnisbefriedigungen wieder gewandelt:

Wie die Darstellung zeigt, brachte auch dieser Tausch A und B einen ökonomischen Nutzen, der so hoch ist, „als wenn ihr Vermögen sich um ein Gute von einem Werte gleich 20 vermehrt hätte“: Beide haben nämlich gegen ein Gute im Wert von 10, eines im Wert von 30 erhalten (30 – 10 = 20).

Indifferente Tauschoperationen sind so nutzlos wie der Erwerb eines wertlosen Gutes

Gleichzeitig sieht man: Ein weiterer Tausch wäre nun für beide Individuen unökonomisch:  „Ein Pferd hat für A die Bedeutung von 20, eine neu hinzutretende Kuh gleichfalls eine Bedeutung von 20, und was B betrifft, so liegt für denselben genau dasselbe Verhältnis vor.“

Wenn A und B dennoch diesen Tausch durchführen, so ist es so, wie wenn sie ihr Vermögen um ein Gute im Wert von 0 vermehrt hätten (20 – 20 = 0). Solche „indifferente Tauschoperationen sind „unökonomisch“: Ohne ökonomische Opfer für den Tausch (Transportkosten, Zeitverlust etc.) haben sie damit ihre ökonomische Lage weder verbessert noch verschlechtert, wie hier sichtbar wird:

Weitere unökonomische Tauschoperationen sind wie das Hingeben eines wertvollen Gutes ohne Gegenleistung

Nach einem vierten Tausch, bei dem A ein weiteres Pferd gegen eine Kuh von B eintauscht, hat sich die ökonomische Situation für beide Individuen verschlechtert: A kann sich durch die Kuh von B ein Bedürfnis mit der Bedeutung 10 sichern, hätte dafür aber ein Pferd hergegeben, dessen Bedürfnisbefriedigungen für ihn die Bedeutung 30 hatte. Ergebnis: Es ist, als hätte man ihm ein Gut, dessen Bedürfnisbefriedigung für ihn die Bedeutung 20 hat, ohne jede Gegenleistung weggenommen (10 – 30 = -20).

Da das ökonomische Verhältnis von A und B im konkreten Beispiel symmetrisch ist, würde B denselben ökonomischen Verlust erleiden. „Anstatt demnach durch diesen Austausch zu gewinnen, würden A und B in Folge desselben einen ökonomischen Verlust erleiden.“

Würden die beiden Subjekte dennoch einen fünften Tausche (Pferd des A gegen Kuh des B) durchführen, so wären sie dorthin gelangt, „wo sie beim Anfange des Tauschgeschäftes standen“: Für die Befriedigung ihrer Bedürfnisse wäre mit derselben Vollständigkeit vorgesorgt, wie vor dem ersten Tausche.

Nach dem sechsten Tausche schließlich hätten beide ihre ökonomische Lage nochmals deutlich verschlechtert (0 – 50 = -50) und sie stünden besser da, wenn sie nie eine Tauschoperation durchgeführt hätten. Am besten wäre es nun für A und B ihre unökonomischen Tauschoperationen wieder rückgängig zu machen.

Die Grenze des Tausches ist erreicht, sobald beide Subjekte keine Güterquantität mehr besitzen, die weniger wert ist als eine Quantität des anderen

Was am Beispiel des A und des B gezeigt wurde, das gilt überall dort, wo zwischen Personen die Grundlagen zu ökonomischen Tauschoperationen vorliegen. Auch dort würden wir „eine Grenze wahrnehmen, wo der ökonomische Gesamtnutzen, welcher sich aus der Ausbeutung des vorliegenden Verhältnisses erzielen lässt, erschöpft ist“. Über diese Grenze hinaus aber erscheint „jeder weitere Austausch von Teilquantitäten als unökonomisch“.

Diese Grenze lässt sich allgemein bestimmen. Sie wäre dann erreicht, „wenn sich keine Güterquantität mehr in dem Besitze des einen der beiden Kontrahenten befindet, die für ihn einen geringeren Wert hätte, als eine Quantität eines andern in der Verfügung des zweiten Kontrahenten befindlichen Gutes, während zugleich bei dieser letzteren Person das umgekehrte Verhältnis der Werthschätzung stattfindet.“

Diese Regel wird durch die Erfahrung bestätigt: Auch im praktischen Leben tauschen die Menschen „nicht ins Unbestimmte und Unbegrenzte hinein“. Immer gelangen sie zu einer Grenze, „bei der sie mit jedem weiteren Tausche einhalten“.

Dasselbe gilt für den Tausch unter Nationen

Darüber hinaus gilt das nicht nur für den Tausch unter Individuen, sondern „ebensowohl für den Verkehr ganzer Völker … . Zwei Nationen, von welchen die eine hauptsächlich Ackerbau, die andere vorwiegend Industrie betreibt, werden ihre Bedürfnisse viel vollständiger zu befriedigen in der Lage sein, wenn dieselben einen Teil ihrer Produkte … austauschen. Sie werden indes den Tausch nicht in das Unbestimmte und Unbegrenzte vornehmen“.

Die ökonomische Grenze besteht in der Praxis in Ruhepunkten inmitten einer „Kette von Transaktionen“

Das gilt selbstverständlich für bestimmte Völker oder Personen immer nur zu einem „gegebenen Zeitpunkt und mit Rücksicht auf bestimmte Güterarten“.

In der Praxis sind die konkreter Güter der Menschen einem steten Wechsel unterworfen, vor allem deshalb, „weil durch den Produktionsprozess immer neue Güterquantitäten in die Verfügung der einzelnen wirtschaftenden Individuen treten“. Damit ändern sich auch laufend die Grundlagen ökonomischer Täusche. Es entsteht „ein Kette von Transaktionen“, doch bei genauer Beobachtung können wir auch hier „für gegebene Zeitpunkte, Personen und Güterarten stets Ruhepunkte finden, in welchen ein Austausch von Gütern nicht stattfindet, weil die ökonomische Grenze desselben bereits eingetreten ist.“

Der erste Kontakt zwischen Subjekten im Tauschverkehr ist in der Regel am vorteilhaftesten

Zum sich stufenweise mindernden ökonomischen Nutzen bei der Ausbeutung der Tauschgelegenheiten: In der Regel ist für Subjekte im Tauschverkehre die erste Berührung „die ökonomisch vortheilhafteste … und erst später pflegen auch jene Tauschgelegenheiten ausgebeutet zu werden, welche minderen ökonomischen Vorteil versprechen.“ Auch dies gilt für den Verkehr unter Individuen, wie ganzer Nationen.

Dazu ein Beispiel:

„Wenn zwei Völker, deren Häfen oder Grenzen für den gegenseitigen Verkehr bisher … verschlossen waren, dieselben plötzlich dem Verkehre öffnen, … so entwickelt sich sofort ein sehr reger Güterverkehr, denn die Zahl der auszubeutenden Tauschgelegenheiten und der hier zu erzielende ökonomische Vorteil sind groß. Später tritt ein solcher Verkehr in das Geleise gewöhnlicher, nutzbringender Geschäfte.“

Nationen sind bereit, sehr viel in die zweite und dritte Voraussetzung des ökonomischen Tausches zu investieren

Zuweilen tritt nicht gleich der volle Nutzen eines solchen jungen Verkehres an den Tag. Das liegt an den zwei weiteren Voraussetzungen des ökonomischen Tausches: „die Erkenntnis der Tauschgelegenheiten und die Macht, die als ökonomisch erkannten Tauschoperationen auszuführen“. Beide sind der „Regel nach erst nach Verlauf eines gewissen Zeitraumes für die tauschenden Individuen vorhanden“.

Wie wichtig diese zwei weiteren Voraussetzungen für die Handel treibender Nationen sind, kann man an ihren „eifrigsten Bemühungen“ erkennen, alle Hindernisse für beide Voraussetzungen zu überwinden – etwa „durch genaues Studium der kommerziellen Verhältnisse, durch Bau guter Straßen und sonstiger Verkehrswege etc.“.

Die ökonomischen Opfer der Tauschoperationen absorbieren einen Teil ihres Nutzens

Nur sehr selten fällt der ökonomische Nutzen den beiden Tauschenden genauso zu, wie es oben dargestellt wurde. In der Regel sind nämlich die Menschen und ihr Güterbesitz räumlich getrennt, sodass die gegenseitige Übertragung der Güter auch „eine Güterbewegung und noch viele andere ökonomische Opfer zu ihrer Voraussetzung“ hat. Eine Tauschoperation ohne ökonomische Opfer ist in der Wirklichkeit kaum zu finden, selbst wenn sie sich nur auf einen Zeitverlust beschränken würde.

Die ökonomischen Opfer der Tauschoperation sind: „Frachtkosten, Primagen, Mautgebühren, Havarien, Kosten der Korrespondenz, Assekuranzen, Provisionen und Kommissionsgebühren, Courtagen, Waggelder, Kosten der Emballagen, Lagergelder, ja die Ernährung der Handelsleute und ihrer Hilfsarbeiter überhaupt, die ganzen Kosten des Geldwesens u. s. f.“.  Das alles absorbiert auch einen Teil des ökonomischen Nutzens des Tausches – oder kann ihn eventuell sogar beseitigen und somit die Tauschgelegenheiten unmöglich machen.

Eine wichtige praktische Beobachtung ist: „Die Entwicklung der Volkswirtschaft hat die Tendenz, diese ökonomischen Opfer herabzumindern, und solcherart werden ökonomische Täusche nach und nach selbst zwischen den entferntesten Ländern und überhaupt dort möglich, wo sie bis dahin nicht statthaben konnten.“

Wer behauptet, Handelsleute gingen keiner produktiven Tätigkeit nach, verkennt die Produktivität des Tausches

Falsche Ansichten über den Tausch und seine Produktivität haben auch zu falschen Beurteilungen jener Personen geführt, die den Tausch vermitteln. So wird fälschlicherweise behauptet, sie würden einer unproduktiven Tätigkeit nachgehen. Das wird meist damit begründet, dass sie nicht unmittelbar zur physischen Vermehrung der Güter beitragen. Hier liegt ein Irrtum über den ökonomischen Tausch vor. Das gilt auch für jenen Wirtschaftswissenschaftler, demzufolge Handelsleute Parasiten sind, weil sie einen Teil des ökonomischen Nutzen der Tauschoperationen sich in Anspruch nehmen. Dies beruht „auf seinen irrigen Vorstellungen über die Produktivitat des Tausches“.

Das Ziel aller Wirtschaft ist nicht die physische Vermehrung der Güter, sondern die bestmögliche Befriedigung der Bedürfnisse

Der Tausch trägt „zur besseren Befriedigung menschlicher Bedürfnisse und zur Vermehrung des Vermögens der Tauschenden eben so wohl bei, als die physische Vermehrung der ökonomischen Güter“. Jene Personen, die ihn vermitteln, sind deshalb „ebensowohl produktiv, als die Ackerbauer und Fabrikanten“. Das Ziel aller Wirtschaft ist nämlich „nicht die physische Vermehrung der Güter, sondern die möglichst vollständige Befriedigung der menschlichen Bedürfnisse“. Zur Erreichung dieses Zieles tragen die Handelsleute ebenso bei, wie jene Personen, die im Produktionsbereich tätig sind.

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