Newsletter Juli/August 2021: Die Freiheit darf nicht der totalen Sicherheit geopfert werden

Im letzten Newsletter war von Optimismus die Rede. Was die Aussichten auf eine ganz veränderte Lage hinsichtlich der Corona-Pandemie betrifft, gibt es keinen Anlass, diesen zu verlieren. Skepsis ist jedoch hinsichtlich der Politik angesagt: Gerät sie jetzt angesichts neuer Mutationen – „Delta“ wird nicht die letzte gewesen sein – in den Modus der Dauer-Panik?

Mit den Mitteln der Politik eine Welt ohne Risiken zu schaffen, ist keine wünschenswerte Option. Sie wäre eine Welt potenziell unbegrenzter staatlicher Macht und ohne Freiheit.

So könnten wir uns daran gewöhnen – der Gedanke ist beunruhigend –, dass eine wohlwollende Obrigkeit sämtliche Risiken von uns fernzuhalten bemüht ist. Natürlich ist es vernünftig, sich gegen viele Risiken zu versichern. Aber mit den Mitteln der Politik eine Welt ohne Risiken zu schaffen, ist keine wünschenswerte Option. Sie wäre eine Welt potenziell unbegrenzter staatlicher Macht und ohne Freiheit. Denn wer die totale Sicherheit will, muss dafür die Freiheit opfern. Wir wollen keinen Babysitter-Staat!

So bleibt wohl nur eines: Wir müssen lernen, mit dem Virus zu leben. Und Politiker sollten den Mut haben, dem Bürger zugunsten eines freien und selbstverantwortlichen Lebens das Tragen von Risiken zuzutrauen. Nachdem nun einmal die Risikogruppen fast gänzlich durchgeimpft und in Sicherheit sind, sind weitere Infizierungen nicht nur keine Tragödie, sondern für die Allgemeinheit ebenso nützlich wie Impfungen, weil sie dazu beitragen, die Verbreitung des Virus zu stoppen. Eine Überlastung des Gesundheitssystems ist jedenfalls kaum mehr zu befürchten.

Falls die Gefahr erneut eintreten sollte, müssten kreativ und wenn nötig mit Improvisationen neue Wege gefunden werden, um ihr effizient zu begegnen – nicht auf Kosten einer andauernden Einschränkung von Grundrechten. Denn diese sind der Sauerstoff einer freien Gesellschaft, dessen sie auf Dauer nicht entbehren kann.

Ebenso wenig wie die staatlich garantierte totale Sicherheit brauchen wir eine Politik, die uns mit Geld überschwemmt, wie das aufgrund der jüngsten Beschlüsse der EZB weiterhin der Fall sein soll, um angeblich die Wirtschaft wieder in Gang zu bringen. In Wirklichkeit sollen mit den dauernd niedrig gehaltenen Zinsen die überschuldeten Staaten vor der drohenden Zahlungsunfähigkeit beschützt werden. Die Zentralbanken sind offenbar Gefangene ihrer Politik des billigen Geldes geworden, die katastrophal enden kann, so wie das berühmte Papiergeldexperiment von John Law im 18. Jahrhundert – die Parallelen sind, wie Beat Kappeler in seinem pointierten Beitrag auf unserem Blog schreibt, frappierend.

Lesen Sie auf unserem Blog weiter über das sich anbahnende internationale Steuerkartell der G-20, das Kuriosum des deutschen Wahlkampfes 2021, in dem die wichtigsten Themen ausgeklammert werden, und die Geschichte der Begründung des Privateigentums in der christlichen Tradition, sowie darüber, weshalb die Zentralbanken vor Privatwährungen eine panische Angst haben.

In den Austrian Essentials finden Sie nun den letzten Abschnitt aus Carl Mengers Wertlehre, wie er sie im dritten Kapitel seiner „Grundsätze der Volkswirtschaftslehre“ entwickelt hat. Sie ist von ungeahnter Aktualität, zeigt sie doch, dass man zur Bestimmung des Wertes von Gütern aller Art nicht, wie David Ricardo, Karl Marx oder heute Thomas Piketty, auf die Vergangenheit – auf die in sie hineingesteckte Arbeit –, sondern auf die in Zukunft von ihnen zu erwartenden Erträge schauen muss, die davon abhängen, inwiefern sie Bedürfnisse der Verbraucher zu befriedigen vermögen, deren Entdeckung und Antizipation wiederum die Leistung der Unternehmer ist.

Schließlich: Für unsere Austrian Academy 2021 (16.-19. 9.) konnten wir 23 Vollstipendien vergeben. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus drei Ländern sowie die Referenten aus Österreich, Deutschland, Frankreich und Großbritannien sind hoch motiviert und wir alle freuen uns auf September! Unten finden Sie mehr Informationen.

Mit allen guten Wünschen und sehr herzlichen Grüßen

Ihr

Martin Rhonheimer
Präsident Austrian Institute

 

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Dieser Newsletter wurde am 28. 7. 2021 an alle Abonennten unseres Newsletters versandt. Anmeldung für den Newsletter hier.

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